Mölzers Opfergang

Dass – so die Darstellung des Wiener Polizeipräsidenten Pürstl – freiheitliche Funktionäre „kurz vor dem Ball [der Wiener FPÖ und völkischen Studentenverbindungen am 1. 2. 2013, Anm.] in ein Lokal außerhalb der Sperrzone essen gehen, obwohl sie wissen, dass Tausende unterwegs sind, die mit dem Ball nicht einverstanden sind“ und „nicht, wie [mit der Polizei, Anm.] ausgemacht, mit dem Taxi oder der U-Bahn auf den freigehaltenen Routen zur Hofburg fahren, sondern mitten durch die Demonstranten spazieren“, lässt sich möglicher Weise über den (in Studentenverbindungen geformten) Männlichkeitsentwurf der Betreffenden erschöpfend erklären. Eher die eigene physische Integrität aufs Spiel zu setzen als Ausweichmanöver zu vollziehen, ist immerhin zentraler Inhalt der Mensur als Erziehungsinstrument.

Was aber treibt andere freiheitliche Funktionäre  (Hans-Jörg Jenewein, Harald Vilimsky) an, einen jener Parteifreunde und Waffenbrüder (Andreas Mölzer) per atemloser Presseaussendung für „schwer“ verletzt zu erklären, nachdem ein mutmaßlich von Linken geworfener Farbbeutel dessen Anzug verunstaltet hat?

Ein durchaus rationales Kalkül, wie Mölzer selbst bereits vor 20 Jahren dokumentierte. In einem von ihm entworfenen Positivszenario (sic) für die weitere Entwicklung der FPÖ hieß es damals u. a.: „Eine Gruppe freiheitlicher Mandatare … wird von Autonomen so brutal attackiert, daß eine freiheitliche Abgeordnete nach schwersten Verletzungen nur knapp dem Tode entgeht und lebenslang an den Rollstuhl gefesselt bleiben wird. Eine Welle der Abscheu gegenüber der linksmilitanten Szene, der Sympathie und des Mitleids mit den Freiheitlichen, geht daraufhin durch Österreich. Der 10. Oktober 1994, Wahltag, bringt für die Freiheitlichen einen beispiellosen Triumph.“ (Die Aula, Nr. 6/1993, S. 30)

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