Nachtrag zu frei.wild

Gegen den geplanten Auftritt der Deutsch-Rechtsrocker von frei.wild in Graz formiert sich zunehmend Widerstand. Bekanntlich halten der Grazer Veranstalter mit Unterstützung von SPÖ, ÖVP und FPÖ bislang an dem Konzert fest, während die Stadt Wels den Norditalienern keine Bühne bot. Den offenen Brief der Initiative kein Frei.Wild Konzert in Graz geben wir im Anschluss wieder.

Darüber hinaus muss frei.wild sich nun auch mit Kritik von rechts außen herumschlagen: Martin Lichtmesz wirft den Norditalienern in der Jungen Freiheit (Nr. 5/2013) vor, „unter dem Sperrfeuer eingeknickt“ zu sein und „der linken Lufthoheit ihren Tribut gezahlt“ zu haben. Das im Oktober 2012 veröffentlichte Distanzierungs-Video, indem Bandleader Philipp Burger nach „Klare[n] Worte“ sucht, ist für den bekennenden Identitären Lichtmesz „stellenweise erbärmlich mit anzusehen: Demnach habe sich die Band nicht nur stets gegen ‚einen Nationalsozialismus’, sondern auch ‚gegen jegliche rechte Gesinnung’ ausgesprochen.“ Im Gegensatz zu den Verantwortlichen in Graz und all der Verharmlosung erkennt Lichtmesz jedoch: „Letzteres ist natürlich angesichts der Texte der Band so unaufrichtig wie unglaubwürdig“.

________________________________________________

Offener Brief „Frei.Wild Konzert in der Stadthalle absagen!“

Am 10. Mai plant die Tiroler Eventagentur „Art entertainment Gmbh“ in der Grazer Stadthalle ein Konzert der Musikgruppe „Frei.Wild“ zu veranstalten. Die BetreiberInnen der Stadthalle Graz, die sich selbst auf den Status des Vermieters berufen und somit den Inhalten der Band Frei.Wild eine Bühne bieten, tragen zur Legitimation von gewaltverherrlichendem und völkisch-nationalistischem Gedankengut bei.

Die Südtiroler Band Frei.Wild erfährt seit geraumer Zeit erhöhte mediale Aufmerksamkeit im deutschen Sprachraum. Sie wurde von der Echo-Nominierung ausgeschlossen, FestivalbetreiberInnen in Deutschland haben, u.a. durch massiven Druck von Seiten der Sponsoren, einen Auftritt der Band abgesagt und zuletzt hat die Stadtverwaltung von Wels ein Konzert der Formation unterbunden.

Zurecht werden der Gruppe in der medialen Diskussion Gewaltverherrlichung, Geschichtsrevisionismus bzw. Verharmlosung des Nationalsozialismus vorgeworfen. Mit aggressiven Anfeindungen in ihren Texten, ihre Selbstdarstellung als Opfer der „Linkslinken Jagdgesellschaft“ (siehe Liedtext zu „Wir reiten in den Untergang“, wo sie ihre eigene Situation in zynischer Weise mit dem Schicksal der Juden und Jüdinnen im NS-Regime
vergleichen), sowie mit ihrer stetigen Gewaltverherrlichung stehen Frei.Wild klar in der Tradition deutschnationaler und rechtsradikaler Propaganda. Die Band behauptet zwar stets den Dialog zu suchen und sich von rechtsextremen Gedankengut zu distanzieren, beschimpfen aber ihre KritikerInnen als „Arschlöcher“ und hetzen gegen Andersdenkende, die sie als „Gutmenschen und Moralapostel“ darstellen.

Refrain aus dem Lied „Gutmenschen und Moralapostel“: „Ich scheiß auf Gutmenschen, Moralapostel selbsternannt, political correct. Der die Schwachen in die Ecke stellt und dem Rest die Ärsche leckt. Ich scheiße auf Gutmenschen, Moralapostel selbsternannt, sie haben immer Recht. Die Übermenschen des Jahrtausends. Ich hasse sie wie die Pest.“

In dem Lied „Rache muss sein“ glorifiziert Frei.Wild körperliche Gewalt gegen Menschen: „Denn heut‘ verhaue ich Dich, schlag Dir mein Knie in deine Fresse rein. Heut‘ vermöbel ich dich, Zähne werden fallen durch mich/ jetzt liegst du am Boden, liegst in deinem Blut. Das Blut auf meinen Fäusten, ich find‘ das steht mir gut/ Ich fang an zu lachen, seh‘ dein entstelltes Gesicht.“

Frei.Wild diskriminiert Aids-Kranke, indem sie ihnen die Schuld an ihrer Krankheit zuschiebt. Refrain aus dem Lied „Aids“: „Wie viele Menschen sind so aus ihrem Leben geschieden? Durch die eigenen Triebe auf der Strecke geblieben?“

In anderen Liedern verbreitet die Band völkischen Nationalismus und nationalistische Feindbilder. Zitat aus „Südtirol“: „Südtirol deinen Brüdern entrissen./ Südtirol du bist noch nicht verlorn, in der Hölle sollen deine Feinde schmorn/ Kurz gesagt, ich dulde keine Kritik an diesem heiligen Land, das unsre Heimat ist.“

Da Pop- bzw. Jugend- und Subkultur heute eine immer wichtigere Rolle für die
Wirklichkeitskonstruktion und Identitätsfindung Jugendlicher spielen, ist die Legitimation und Aufwertung, welche das völkisch-nationalistische und gewaltverherrlichende Gedankengut durch das Auftreten der Band Frei.Wild in der Stadthalle Graz erfährt, äußerst bedenklich. Dass der Österreichische Verfassungsschutz die Bedenklichkeit in dieser Hinsicht nicht teilt, ist nicht als Persilschein für Konzerte dieser Band anzusehen. Es geht in dieser Angelegenheit viel mehr um die Frage, welchen Inhalten in der Stadthalle, als größte öffentliche Veranstaltungshalle in der zweitgrößten Stadt Österreichs, Raum geboten wird. Wir empfinden die Abhaltung eines derartigen Konzertes als Affront und Verhöhnung des Titels „Stadt der Menschenrechte“.

Wir fordern somit die politischen Verantwortlichen der „Menschenrechtsstadt“ Graz und die BetreiberInnen der Stadthalle Graz dazu auf, das Konzert abzusagen bzw. eine klare Position einzunehmen und sich für eine Absage einzusetzen!

Initiative „kein Frei.Wild Konzert in Graz“

Kommentare deaktiviert für Nachtrag zu frei.wild

Eingeordnet unter Quick Takes

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.