Im rechten Licht

von Judith Goetz

Als „Fundgrube für politische Ausrutscher“ oder „Sündenregister“ der FPÖ wurde die neue Publikation Strache im braunen Sumpf von Hans-Henning Scharsach bislang bezeichnet. Tatsächlich gibt der über 300 Seiten dicke Wälzer mit mehr als 1.000 Fußnoten einen detailreichen Überblick über den Werdegang Straches und der FPÖ unter seiner Führung, inklusive ihrer institutionellen und auch persönlichen Verbindungen zum organisierten Rechtsextremismus und Neonazismus. So versucht der ehemalige Kurier– und News-Journalist unter anderem aufzuzeigen, wie aus Haiders ,Buberlpartie‘ Straches ,Burschenpartie‘ wurde, und liefert dabei eine Nachlese kleinerer wie auch größerer Skandale in der Partei sowie ein umfassendes Namensregister einschlägig aufgefallener FPÖlerInnen und Größen des Rechtsextremismus.

Als Quellen dienen ihm für seine Recherche vor allem das Internet bzw. die Rechercheergebnisse anderer. Scharsach, der in Österreich bereits vor zehn Jahren durch die Bestseller Haiders Kampf und Haiders Clan bekannt wurde, hat damit vor allem mehr oder weniger bekannte Fakten zusammengetragen, neue Erkenntnisse bleiben aus. Vielmehr wird streckenweise der Eindruck erweckt, als hätte mensch Ähnliches schon in anderen Publikationen, beispielsweise jenen von Heribert Schiedel (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, DÖW), gelesen. Obgleich Schiedel nicht zitiert wird, würde Scharsach gerne zitiert werden – nämlich von jenen, die gegen die FPÖ aktiv sind. Das Buch soll nämlich „dem zivilgesellschaftlichen Widerstand Mut machen“, schließlich würde es nun keinen „Beweisnotstand“ mehr geben und etwaige Klagen der FPÖ könnten auf den Autor abgewälzt werden. Dass diese bislang jedoch ausgeblieben sind, mag vielleicht auch an den mangelnden neuen Erkenntnissen liegen.

Scharsach, Hans-Henning: Strache im braunen Sumpf. Wien: Kremayr & Scheriau-Verlag, 2012,

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