Unsterbliche Hitler-Grüße

Am frühen Nachmittag des 27. Oktober überfielen rund 30 offenbar bestens organisierte Neonazi-Schläger das von verschiedenen linken und migrantischen Gruppen genutzte Ernst Kirchweger Haus (EKH) in Wien-Favoriten. Ein Gewerkschaftsaktivist wurde im Stiegenhaus zusammengeschlagen und verletzt, in der Folge konnten die Angreifer jedoch aus dem EKH gedrängt und vertrieben werden. Neun von ihnen nahm die Polizei in vorübergehenden Gewahrsam, aber trotz Tatwiederholungs- und -Verdunkelungsgefahr konnte sich die Justiz nicht zur Verhängung der U-Haft durchringen. Die zum Teil bewaffneten und mehrfach einschlägig vorbestraften Schläger werden von den ermittelnden Beamten der neonazistischen FAK-Fangruppe Unsterblich Wien zugeordnet.

Diese bereits davor für ihre Gewaltbereitschaft und ihren Rassismus berüchtigte Gruppierung wurde in den letzten Jahren systematisch von Neonazis unterwandert, insbesondere Aktivisten von Blood & Honour sahen hier eine Möglichkeit, unter Fußballfans Nachwuchs zu rekrutieren. Dementsprechend wählte Unsterblich sein Banner-Logo vorübergehend nach dem Vorbild von Blood & Honour. Daneben verwendet Unsterblich beliebte neonazistische Symbole wie den SS-Totenkopf und die Reichskriegsflagge.

Eine breitere Öffentlichkeit wurde im Dezember 2009 erstmals auf die Nazi-Hooligans aufmerksam: Beim Spiel Austria Wien gegen Athletico Bilbao wiesen sie mit einem im Stadion angebrachten Reichsadler-Banner auf ihre Gesinnung hin. Mit Falange-Symbolen und einem „Viva Franco“-Transparent provozierten sie die baskischen Fans. Auch der damalige Platzsturm ging maßgeblich von Unsterblich-Schlägern aus. Von ein paar Stadionverboten abgesehen tat die FAK-Vereinsleitung zunächst jedoch nichts gegen die neonazistischen Umtriebe im Fansektor, erst im heurigen Jahr wurde endlich ein genereller Ausschluss verhängt. Dieser wird jedoch von den Unsterblich-Nazis insbesondere bei Auswärtsspielen regelmäßig unterlaufen. Zudem versuchen sie weiterhin mit Drohungen und Gewalt im Fanblock die Vorherrschaft zu erreichen. Aus Angst, aber auch aus falschem Corps-Geist haben es die nicht-rechtsextremen Fangruppen jedoch viel zu lange zugelassen, dass sich Unsterblich innerhalb des Sektor profilieren konnte. Gegen das Pyrotechnik-Verbot im Stadion und Repressionen gegen Fans haben sie vor nicht allzu langer Zeit noch gemeinsam mit den Neonazis protestiert.

Aber auch außerhalb der Stadien kam es bereits in der Vergangenheit immer wieder zu politisch motivierten und extrem gewalttätigen Angriffen von Unsterblich-Aktivisten auf Linke, so etwa im Juni 2009 am Rande einer FPÖ-Kundgebung am Viktor Adler Markt in Wien-Favoriten oder im April 2010 am Rande einer weiteren FPÖ-Wahlveranstaltung am Ballhausplatz. Zumindest ein Unsterblich-Anführer behauptet selbst von sich, in der FPÖ aktiv zu sein, daneben existieren einige Berührungspunkte zum Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ).

Dass von Seiten der ermittelnden Behörden auch diesmal wohl keine Gefahr für die Neonazi-Schläger ausgehen wird, legt ein Skandal aus jüngster Vergangenheit nahe: Im September 2011 begingen Unsterblich-Nazis den Tod eines „Kameraden“ mit einer Demonstration, die sie auch noch filmten. Die auf dem Video deutlich zu sehenden Hitler-Grüße wurden umgehend zur Anzeige gebracht. Jedoch wurden die Ermittlungen eingestellt, weil Beamte des Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) keine Hitler-Grüße, sondern nur ein „bei Fans übliches Ausstrecken der Hände mit den Handflächen nach außen“ sehen wollten bzw. den Neonazis glaubten, sie hätten sich im Vollrausch zum verbotenen Gruß „hinreißen“ lassen, also ohne Vorsatz gehandelt.[1]

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