[Leipzig]27.6. Filmpräsi: Jedes Jahr Nie Wieder mit Vortrag von Judith Goetz

Jungle World und Cinémathèque Leipzig präsentieren:

Jedes Jahr Nie Wieder. Der Wiener Akademikerball und die Proteste dagegen.

https://www.facebook.com/events/822839974517643/

Montag / 27. Juni 2016 / 19.00 Uhr

Film: JEDES JAHR NIE WIEDER

Regie: Paul Buchinger, David Pilcher, Österreich 2015, Dok, 95 min, deutsche OF

Vortrag und Diskussion mit: Judith Goetz, Literatur- und Politikwissenschafterin aus Wien, Mitglied der Forschungsgruppe Ideologien und Politik der Ungleichheit (FIPU), Autorin von „Ausgetanzt! Eine kritische Bilanz der Proteste gegen den WKR-Ball“.

Moderation: Thorsten Mense

Manche werden sich noch an den Fall Josef S. aus Jena erinnern. Der 23-jährige Student war im Januar 2014 im Rahmen der Proteste gegen den rechtspopulistischen Wiener Akademikerball festgenommen und trotz fehlender Beweise wegen „Rädelsführerschaft“ zu 12 Monaten Haft verurteilt worden. Die Presse sprach damals von einem „kafkaesken Prozess“ und einem Justizskandal. Bis weit in bürgerliche Kreise hinein wurde scharfe Kritik an dem Vorgehen der österreichischen Polizei und Justiz geübt. Der Spiegel schrieb damals: »Prozess und Urteil zeigen dreierlei: Wie unzuverlässig der Zeugenbeweis ist. Wie wenig in Österreich reichen kann, um für Monate weggesperrt und wegen schwerer Straftaten verurteilt zu werden. Und wie groß die Vorurteile in Teilen der österreichischen Polizei und Justiz gegenüber Aktivisten sind, die sich links der Mitte verorten«. Noch während seiner Untersuchungshaft bekam Josef S. In Abwesenheit den 13. Preis für Zivilcourage der Stadt Jena verliehen. Josef S. Ist längst aus der Haft entlassen, der Wiener Akademikerball findet aber ebenso wie die großen Proteste dagegen weiterhin jedes Jahr statt.

Der Film Jedes Jahr Nie Wieder der beiden österreichischen Dokumentarfilmer Paul Buchinger, und David Pilcher beleuchtet ausführlich diese aktuell wohl umstrittenste Veranstaltung Österreichs, die alljährlich in der traditionsreichen Wiener Hofburg abgehalten wird. Die Filmemacher porträtieren die Schlüsselfiguren dieser Nacht, von der Antifa bis zur Burschenschaft, und fragen überdies in der Öffentlichkeit stehende Personen aus Politik, Kultur und Wissenschaft nach deren persönlicher Wahrnehmung zum Ball. Der Film folgt dabei einem chronologischen Ablauf: von der Anti-Akademikerball-Demonstration 2014 bis zu jener im Jahr 2015. In den Fokus rückt dabei auch der Fall Josef S. aus Jena und die an dem Prozess aufgezogene, vor allem medial geführte Gewaltdebatte. Darüber hinaus wird durch ein Portrait der Wiener Burschenschaft Libertas das ideologische Korsett des Balls als auch der Alltag deutschnationaler Verbindungsstudenten gezeigt, und damit der Kritik der WKR-GegnerInnen ein Gesicht gegeben. Der Wiener Akademikerball – ehemals WKR-Ball (für „Wiener Korporationsring“) – wird jedes Jahr im Januar von der rechtspopulistischen bzw. extrem rechten Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) organisiert. Er hat sich zu einem wichtigen internationalen Treffen völkischer Burschenschafter, neurechter Akteure und extrem rechter Parteien in Europa entwickelt. Seit 2008 gab es dagegen wachsende Proteste von antifaschistischen und linken Gruppen, aber auch von Gewerkschaften, Kirchen und Parteien, an denen bis zu zehntausend Menschen aus dem In-und Ausland teilnahmen. Stadt und Polizei reagierten darauf vor allem mit Repression, u.a. 2014 mit einem viel kritisierten allgemeinen Platzverbot für weite Teile der Innenstadt. Im Laufe der Demonstrationen 2014 kam es am Abend zu teilweise gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei sowie zahlreichen Sachbeschädigungen.

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Wochenzeitung Jungle World und The Future is unwritten

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