Bildungsangebote: Gedenk-/Geschichts-/Vergangenheitspolitik

Formen des Vergessens: Von der Leugnung über die Relativierung zur Desavouierung

Die nationalsozialistischen Menschheitsverbrechen, die nicht nur im Namen eines Kollektivs begangen wurden, stehen bis heute der Identifikation mit diesem Kollektiv im Wege. Darum sind es vor allem NationalistInnen, die versuchen, die Barbarei zu leugnen oder zu verkleinern, „um nicht der Möglichkeit jener Identifikation verlustig zu gehen“ (Adorno). Zu ihnen gesellten sich bald die FeindInnen des jüdischen Staates, die über die Leugnung der Shoah Israel eine Existenzgrundlage entziehen wollen. Die plumpe Holocaustleugnung ist heute dem arabischen Nationalismus und Islamismus zur zentralen Doktrin geworden, während sie in Mitteleuropa weitgehend auf Neonazi-Zirkel beschränkt ist. Weit über diese Zirkel hinaus setzten sich jedoch in unseren Breiten weichere Formen des „Revisionismus“ in herrschenden Diskursen fest: Mit der Rede vom „Bombenkrieg“ und den „Vertreibungsverbrechen“ wird versucht aufzurechnen, was nicht aufzurechnen ist. Zudem hat der sich permanent verstärkende Zwang zur Bejahung der schlechten Wirklichkeit Folgen für die Erinnerung. Eine Erinnerung an das unsagbare Leiden, die nicht unter dem Zwang des Positiven und Ganzen steht, macht utopiefähig, wie Ernst Bloch betonte.

Methoden des „Revisionismus“

Am Beginn fast aller Versuche, den Nationalsozialismus schönzureden, steht die Berufung auf die Meinungsfreiheit. Dem ist entgegenzuhalten, dass die Leugnung der Verbrechen ein Teil derselben und keine Meinung ist. Auch versuchen „Revisionisten“ sich auf vielfältige Art und Weise als Wissenschafter darzustellen, wo sie doch nur Ideologen und Propagandisten sind. Ihr pseudowissenschaftliches Repertoire reicht von plumper Leugnung über die Fälschung von Dokumenten bis zur selektiven und manipulativen Interpretation historischer Quellen. Darüber hinaus werden geschickt Widersprüche und Leerstellen in der seriösen Geschichtsforschung ausgenützt. Die Erfolge des „Revisionismus“ werden zudem durch das massenhafte Bedürfnis nach einer Entlastung von Schuld und Verantwortung begünstigt.

Im politischen Alltag wie in privater Umgebung ist daher für die Auseinandersetzung mit historischer Legendenbildung nicht nur zeitgeschichtliches Basiswissen und Kenntnis der „revisionistischen“ Diskursstrategien erforderlich, sondern auch die Bereitschaft, die eigenen privaten und oft verklärenden Geschichtsbilder zu hinterfragen.

An uns sind Umerziehung, Trauerarbeit und Zeitgeist … fast spurlos vorüber gegangen.“
Antisemitismus, Nationalsozialismus und burschenschaftliche Geschichtspolitik in Österreich

Alljährlich am 8. Mai begehen Burschenschaften und andere völkische Vereinigungen den Jahrestag des Endes der nationalsozialistischen Herrschaft als „Tag der totalen Niederlage“. Der Input beleuchtet die Frühgeschichte des burschenschaftlichen Antisemitismus ebenso wie sein Nachleben in der Zweiten Republik, das Verhalten von Burschenschaftern gegenüber dem Nationalsozialismus wie auch die burschenschaftliche Verarbeitung der NS-Zeit nach 1945. Dabei wird der Frage des Erinnerns und Nicht-Erinnerns innerhalb der Verbindungen ebenso Aufmerksamkeit geschenkt wie den geschichtspolitischen Interventionen von burschenschaftlicher Seite in gesamtgesellschaftliche Geschichtsdebatten.

Verfolgung von „Asozialen“ im NS und Kontinuitäten in der Fürsorge (Abstract folgt)

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