Bildungsangebote: Rassismus und Antisemitismus

Wiedergutmachungsbetrüger“, „Spekulanten“ und „Vaterlandsverräter“ – Das Feindbild „Jude“ im heutigen Rechtsextremismus

Der Antisemitismus nach Auschwitz hat auch im rechtsextremen Diskurs seine Bedeutungen und Formen gewandelt: Von der offenen Vorbereitung der Tat verschob sich die Agitation auf die Abwehr von Schuld und Erinnerung (sekundärer Antisemitismus). Auch sind AntisemitInnen heute angehalten, ihr Feindbild zu codieren. So ist nicht mehr vom „Weltjudentum“ die Rede, sondern von der „Ostküste“. Kontinuität kennzeichnet hingegen die antisemitischen Stereotypen und die Funktionen des Antisemitismus für die Gemeinschaftsbildung. Denn als die prototypischen Anderen sind Juden und Jüdinnen nach wie vor Objekte aggressiver Abgrenzung. Wenn auch die (muslimischen) „Ausländer“ heute das primäre Feindbild im Rechtsextremismus darstellen, so sind die Verbindungen des aktuellen Rassismus mit dem Antisemitismus leicht zu erkennen. Darüber hinaus einigt das gemeinsame Feindbild die Fraktionen des Rechtsextremismus und hilft diesen, Brücken zum Konservativismus und katholischen Fundamentalismus zu schlagen. Aber auch an spezifische Traditionen in der Linken kann angeknüpft werden: Neben dem „Antizionismus“ bildet insbesondere eine verkürzte und personalisierende Kapitalismuskritik das Einfallstor für Rechtsextreme. Gerade manche Globalisierungskritik ist in ihrer Frontstellung gegen das „internationale“ oder „vagabundierende Finanzkapital“ von rechtsextremen Diskursen kaum mehr zu unterscheiden.

Antisemitismus – Chancen und Grenzen der Aufklärung

Das Feindbild „Jude“ stiftet Sinn, wo keiner ist, und darum haben manche den Antisemitismus zu Recht mit Religion verglichen. Wenn es stimmt, dass der Antisemitismus viel mehr ist als die Summe antijüdischer Vorurteile, nämlich eine umfassende Weltanschauung, die mit der entsprechenden Leidenschaft vertreten wird, dann eignen sich rationale Widerlegungen dieser Vorurteile zu seiner Bekämpfung nur sehr eingeschränkt. Der Antisemitismus hat seine Ursachen nicht bei den realen Jüdinnen und Juden, sondern im spätbürgerlichen Subjekt: Er hilft diesem (insbesondere in Krisenzeiten) gegen soziale und neurotische, bis ins Paranoide steigerbare Angst. Als personalisierende Pseudoerklärung undurchschauter Verhältnisse wächst er in dem Ausmaß, in dem sich das Subjekt diesen Verhältnissen als ohnmächtig und hilflos ausgeliefert sieht. Wenn etwas in der Lage zu sein scheint, den Antisemitismus zu bekämpfen, dann ist es immer noch die Aufklärung. Jedoch nicht die über die anderen, die Objekte des Hasses, sondern Aufklärung über einen selbst und über die Herrschaft, unter der leider noch zu leben ist.

Haut´s die Juden eini!“ – Zum Verhältnis von Antisemitismus und Fußball in Österreich

Ausgehend von der Annahme, dass Fußballmatches die zentralen Werte unserer Gesellschaft in komprimierter Form sichtbar machen, kann gesagt werden, dass Sportstadien lediglich einen örtlich eingegrenzten und zeitlich definierten Raum mit einem bestimmten Publikum darstellen, an welchem die konfliktreichen Auswüchse der Gesellschaft wie Antisemitismus, Rassismus oder Sexismus ausgetragen werden. Da Fußball ursprünglich kein österreichisches bzw. deutsches Spiel gewesen war, wurde sein gesellschaftspolitischer Inhalt erst im Laufe seiner Etablierung vom ideologischen Ballast des als deutsch geltenden Turnens unterwandert. Der antisemitische Nährboden im Sport, den die Nazis für sich vereinnahmten, konnte schließlich auf der florierenden Ablehnung der Juden und Jüdinnen rund um die Jahrhundertwende aufbauen. So scheint es auch kaum verwunderlich, dass sich diverse antisemitische Stereotype und Feindbilder im österreichschen Fußball nach 1945 unmittelbar fortsetzten und bis zum heutigen Tage nicht an Popularität eingebüßt haben.

Alte Muster, neue Feinde? Zur Vergleichbarkeit von Antisemitismus und (antimuslimischem) Rassismus

Mit der Eskalation des „Kampfes der Kulturen“ kam es rund um die Jahrtausendwende zu paradoxen Verknüpfungen: Ein antirassistischer Antisemitismus scheint nun genauso möglich wie ein rassistischer Antiantisemitismus. Hinter der Behauptung einer grassierenden „Islamophobie“, die dann auch noch mit dem Antisemitismus gleichgesetzt wird, verschanzen sich oft IslamistInnen und ihre ApologetInnen. Auf der anderen Seite wird – auch um sich den Rechtsextremismusvorwurf zu ersparen – der Ausschluss von Muslimen immer öfter mit dem Hinweis auf deren Antisemitismus begründet. Während im ersten Fall die Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten zwischen Antisemitismus und Rassismus demagogisch überstrapaziert werden, werden im zweiten – oft nicht minder demagogisch – die Unterschiede verabsolutiert und jeder Vergleich als unzulässig bezeichnet. Die vergleichende Analyse von Antisemitismus und Rassismus scheint aber dringend geboten, auch um zeigen zu können, dass Muslime eben nicht die „Juden von heute“ sind.

Imaginationen des Untergangs. Zur Konstruktion antimuslimischer Feindbilder

Während in Deutschland und Österreich ab den 1960er Jahren das religiöse Bekenntnis der sogenannte ‚Gastarbeiter‘ kaum zur Kenntnis genommen wurde, artikulieren sich nationalistische und rassistische Anrufungen seit geraumer Zeit verstärkt anhand einer postulierten ‚Kulturfremdheit‘ des Islams. Vor allem die organisierte extreme Rechte versucht an diese (mitunter auch vielschichtigen) Diskurse unter dem Stichwort der ‚Islamisierung Europas‘ anzuknüpfen. Die Referenz auf ein ‚christliches Abendland‘ – und damit einhergehende Schlagwörter wie Freiheit, Demokratie, Menschen- und Frauenrechte, sowie Aufklärung im Allgemeinen – trägt so auch zu einer Entgrenzungen der Programmatik der extremen Rechten bei. Eine damit einhergehende Rhetorik des Untergangs bekräftigt, angesichts des postulierten Außenfeindes, auch auf der politischen Ebene neue Agitationsformen und europaübergreifende Zusammenschlüssen der extremen Rechten. Vor allem Grade der Indifferenz oder Affinität dem Islam gegenüber, sowie der gleichzeitige Fortbestand von tradierten Feindbildern wie jenem des Antisemitismus, bleiben bei den gegenwärtigen „Islamophobie“-Debatten jedoch gerne unterbeleuchtet.

„Schwestern zur Freiheit zum hinter dem Mond“: Antisemitismus in der bürgerlichen & der sozialistischen Frauenbewegung um 1900

Die Politik der bürgerlichen Frauenvereine in der 1. Frauenbewegung im Deutschen Reich drängte explizit auf öffentliche Partizipation der Frauen in der Nation, der „erweiterte Familie“. Während antisemitische Vereine wie der „Deutsche Bund zur Bekämpfung der Frauenemanzipation“ die neue soziale Bewegung als „internationalistisch zersetzend“ und `verjudet` angriffen, reproduzierten Teile der bürgerlichen Frauenbewegung den gängigen Antisemitismus in ihrem Kampf um sittliche Moral und in ihrem Selbstverständnis als völkische Patriotinnen am heimischen Herd. Die Frauen in der Arbeiter_innenbewegung, die zwar für Frauenrechte kämpften, sich jedoch mehr als Sozialistinnen denn als Feministinnen begriffen, reproduzierten in ihrer Kapitalismuskritik das antisemitische Feindbilde des jüdischen Finanzkapitals. Wieso es für beide Teile der ersten Frauenbewegung einen Machtgewinn bedeuten konnte, den geläufigen „Antisemitismus als kulturellem Code“ aufzunehmen, soll Thema des Vortrags sein.

Spinnst, Oida?!“ – Argumentationstraining gegen Stammtischparolen (Workshop/Seminar)

Argumentationstrainings sind kein Patentrezept. Punkt. Doch sie helfen dabei, die Rollenaufteilung in sogenannten „Stammtischsituationen“ zu erkennen, zu benennen und zu erklären. Warum eskalieren derartige Streitgespräche so? Wie sehen die Eigenarten sogenannter „Stammtischparolen“ aus? Wie funktionieren Vorurteile eigentlich? Und warum ist es so ungemein schwierig, dagegen anzugehen. TeilnehmerInnen des Trainings sagen immer wieder „Ich habe das Gefühl, dass Fakten überhaupt nichts nützen.“ Doch stimmt das tatsächlich? Muss man ein wandelndes Lexikon sein, um in derartigen Streitgesprächen bestehen zu können? Auf Basis der Methode nach Klaus P. Hufer wird dieses Argumentationstraining in Methodik und Inhalt ständig aktualisiert und überarbeitet, um auf aktuelle Diskussionen und Themen eingehen zu können.
Dauer: mindestens 3 Stunden, max. TeilnehmerInnenanzahl: 20 Personen

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