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Der Nazis neue Töne. Neuere Entwicklungen im österreichischen Rechtsrock.

Welchen Stellenwert hat Musik für die neonazistische und extreme Rechte Österreichs heute? Welche Bands sind bedeutend und bestehen Strukturen, die musikalischen Erfolg in Geld für die rechtsextreme Szene umwandeln können?

Bildschirmfoto

Aufgepumpte Muskeln, ein „X“ auf dem Handrücken, Kapuzenpullis und Baseball-Kappen; dazu treibende Beats, melodiöse Refrains zum Mitgröhlen und Texte über Bruderschaft, Reinheit und ‚One family‘. Ganz im Stil der Straight Edge-Hardcore Bands der 1990er Jahre, doch gepaart mit professionellem Videoschnitt und Selbstinszenierung in sozialen Medien: Das sind die Elemente, welche die neue Musik der neonazistischen Szene zunehmend prägen. Während ideologische Versatzstücke oft in den Hintergrund rücken, beteuern die Musiker „anders als die meisten Konsumidioten und Säufer in der Szene“ wirklich hinter der nationalen Sache zu stehen. So stellen es zumindest die Musiker von Terrorsphära, dem österreichischen Exportschlager im Bereich des NS-Hardcore (NS-HC), dar.

Am 15. Oktober 2016 im Schweizer Städtchen Unterwasser: Mehrere tausend Neonazis finden sich in einer Sporthalle ein, um zu neonazistischen Bands wie Frontalkraft oder Stahlgewitter abzufeiern. Medien vermelden das größte Nazi-Konzert der letzten Jahre. Aufgrund der Menge der Besucher_innen, die Behörden sprechen von rund 5000 Menschen, greift die sichtlich überrumpelte Polizei nicht ein. Im Laufe des Abends werden massig rechte Arme zum Hitlergruß erhoben, darunter befinden sich nicht gerade wenige Neonazis aus Österreich. Kein Wunder: Die Grenze ist nur zehn Kilometer von der Sporthalle entfernt. In Feldkirch ist man mit dem Auto in einer halben Stunde.

Blood & Honour

Das Konzert in Unterwasser ist ein Beispiel dafür, wie die extreme Rechte Musik nutzt, um neue Anhänger_innen und Aktivist_innen für ihre Ziele zu begeistern. Zu Demonstrationen aus demselben Lager kommen in der Regel weit weniger Menschen. Musik ist schon lange ein Mittel, um Menschen für politische Ziele zu mobilisieren. Der Welser Journalist Thomas Rammerstorfer beschäftigt sich seit Langem mit der extremen Rechten, ihrer Musik und ihren Proponent_innen:

„Im jugend- und subkulturellen Bereich hat Musik generell einen zentralen Stellenwert, nicht nur in der extremen Rechten. Musik ist perfekt zum Unterstreichen von Emotionen, egal ob von Liebe, Wut oder Hass, das ist ihr Geheimnis. Damit trägt Musik wesentlich dazu bei, welchem Lifestyle man sich anschließt.“

Zudem sind Konzerte mit tausenden Besucher_innen wirtschaftlich überaus ertragreich. Bei großen Konzerten konnten die Organisator_innen Schätzungen zufolge über hunderttausend Euro Gewinn einfahren.[1]

Als 1982 die EP „White Power“ der britischen Band Screwdriver erschien, war das „ein Schlag in die Fresse des Musik Establishments“, erinnert sich ein Aktivist von damals im Buch „White Noise: Rechts-Rock, Skinhead-Musik, Blood & Honour – Einblicke in die internationale Neonazi-Musik-Szene“. Ein Schlag in die Fresse – nicht nur wegen der Verherrlichung rassistischer Gewalt in den Texten der Band, sondern auch, weil sich die Szene mit der Gründung eines eigenen Labels für ‚RAC – Rock against Communism‘ von der Musikindustrie unabhängig machte und so erst zu einem wirtschaftlichen Faktor im damals noch übersichtlichen Musikbusiness aufsteigen konnte. RAC war ab sofort ein Synonym für offenen Rassismus und Antisemitismus in der Rockmusik und steht bis heute weniger für musikalische Qualität, dafür umso mehr für den Ausdruck von Menschenfeindlichkeit mit E-Gitarren und Drums. Screwdriver, und vielmehr noch ihr 1993 zu Tode gekommener Leadsänger Ian Stuart Donaldson standen an der Spitze des Netzwerks Blood & Honour, eines in Großbritannien gegründeten neonazistischen Zusammenschlusses. Dessen Funktion bestand darin, Konzerte für Naziskins zu organisieren und mit dem dadurch erwirtschafteten Geld die Bewegung und ihre Aktionen zu finanzieren. Mit Combat18 hat Blood & Honour zugleich einen bewaffneten Arm. C18, die Zahlen stehen für die Initialien Adolf Hitlers, zeichnet verantwortlich für zahlreiche Anschläge auf politische Gegner_innen, Migrant_innen und Journalist_innen in ganz Europa. C18 verfolgt eine Organisierung nach dem Prinzip des „führunglosen Widerstands“, wie etwa der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) und ist auch in Deutschland aktiv.[2]

Bis heute reicht das Blood & Honour-Netzwerk in viele europäische Länder, auch nach Österreich, wo es unter seinem an den Hitlerjugend-Slogan „Blut und Ehre“ angelehnten Namen insbesondere Ende der 1990er Jahre sehr umtriebig war. Die aktivsten „Sektionen“ des Netzwerks befanden sich in Vorarlberg, begünstigt durch die unmittelbare Nähe zur Schweiz und Süddeutschland, und in Wien. Trauriger Höhepunkt der Karriere der Neonaziorganisation war ein Skinhead-Konzert im Oktober 2002 in Hohenems mit rund 1000 Besucher_innen. Nach internen Streitigkeiten und polizeilicher Repression gingen die Aktivitäten von Blood & Honour in Österreich in den letzten zehn Jahren kontinuierlich zurück, in Ostösterreich erreichten sie schon vor Jahren den Nullpunkt.

Erst 2016 war nach einer längeren Pause wieder von einem kleinen Konzert aus dem Blood & HonourUmfeld in Vorarlberg zu hören: Ein Auftritt einer ungarischen Naziband wurde wegen des Verbots im deutschen Thüringen an einen bisher unbekannten Ort im Ländle verlegt.[3]

Zuletzt machte Blood & Honour Vorarlberg von sich reden, als im Mai 2016 Gregor S. in Nenzing nahe Bludenz bei einem Amoklauf zwei Menschen erschoss und eine große Anzahl weiterer Besucher_innen eines Rockerfestes schwer verletzte. Der schießwütige Mann nahm sich im Anschluss selbst das Leben. Über das Motiv des Amoklaufs ist wenig bekannt, es wird ein Beziehungsstreit kolportiert. Klar ist jedenfalls, dass Gregor S. jahrelang im Umfeld der lokalen Blood & Honour Gruppe war. Außerdem soll er sich an gewalttätigen Aktionen gegen Linke und Andersdenkende beteiligt haben.[4]

Laut Beobachter_innen der Szene sind die österreichischen Nazis aber schon seit längerer Zeit in der Defensive: „Generell waren die österreichischen Bands zahlenmäßig wenige und, mit wenigen Ausnahmen nicht sehr bedeutungsvoll in der internationalen rechtsextremen Szene“, so der Rechtsextremismus-Experte Rammerstorfer. „Die österreichische Szene war immer schon konsumorientiert und wird vor allem vom deutschen Markt völlig dominiert.“

Terrorsphära Konzertflyer2.jpg

 

NS-Hardcore made in Osttirol

Dem dürften die Mitglieder der Osttiroler Metalcore-Band Terrorsphära widersprechen. Die Band avancierte in den letzten zwei Jahren zum Exportschlager, oder zumindest zur einzig aktiven neonazistischen Rockband Österreichs, wobei lediglich ein Teil der Musiker tatsächlich in Osttirol leben. Die Mitglieder von Terrorsphära rekrutieren sich u.a. aus vorbestraften Neonazis aus Sachsen in Deutschland. Die Band rühmt sich bester Kontakte nach Russland und tritt immer wieder auf konspirativ organisierten Konzerten in Deutschland und dem nahen Ausland auf.[5] Erst im Dezember 2017 bestritt die Neonaziband ein Konzert in Portugal. Besonders stolz aber sind die HC-Nazis auf ein 2010 in Osttirol öffentlich beworbenes Nazi-Hardcore-Konzert, das aus dem Umfeld der Band organisiert wurde.[6]

Dem Mainstream im aktuellen Neonazismus folgend, sind auch Terrorsphära gegen den sog. „Bruderkrieg“ innerhalb der internationalen extremen Rechten. Vielmehr befürworten sie eine Vernetzung nationalistischer Gruppierungen, auch außerhalb Europas. Der gemeinsame Nenner österreichischer, polnischer, wie auch russischer Nazis ist heutzutage „white power“.[7]

Anders als die aus der herkömmlichen Rock against Communism-Szene kommenden Nazis sieht sich die Band Terrorsphära als drogenfrei und dem Sport verpflichtet. Bergsteigen, Kraft- und Kampfsport sollen die imaginierten „Krieger für das Volk“ fit halten. So beschwören die Nazis in heroisch-machistischer Pose die eigene Fitness: „Stärke durch Disziplin!“. Textlich arbeitet sich Terrorsphära vor allem an Feindbildern ab: Drogen, Alkohol, Flüchtlinge und Antifa.

„’Refugees welcome‘, dafür kämpft ihr unverhohlen, doch wie sieht es aus,
wenn ‚Refugees‘ in euren Häusern wohnen?! (…)
Euer ‚Kampf‘ gegen uns dient einzig und allein dem Völkerfeind,
der euren Geist verpestet und durch euch am Leben bleibt,
weil ihr sein Symbol tragt und „still loving Volkstod“ schreit! (…)
Doch auch ihr wollt unsre Freiheit, hört heimlich unsre CDs.
Habt ihr die Schnauze voll von Antifa und diesem Dreckssystem?“

Die überhöhte Männlichkeit der Bandmitglieder strotzt nur so vor Pathos und Selbstverliebtheit. Nicht gerade zufällig promotet die Band die Nazi-Bekleidungsmarke Greifvogel Wear[8], für die sie u.a. über die sozialen Medien werben. Greifvogel Wear ist eine rechtsextreme Lifestyle-Marke, die nicht unbeträchtliche Summen abwerfen dürfte. Beim sportlichen „T-Hemden Versand“ der Nazis heißt es nämlich: „Wehrhaftigkeit ist die Pflicht eines jeden einzelnen von uns und euch, die Ihr euch anschickt, einst das germanische Sparta zu errichten.“ Mit dem erwirtschafteten Geld finanziert die Bekleidungsmarke das jährliche Neonazi-Kampfsport-Spektakel ‚Kampf der Nibelungen‘[9], das zuletzt letzten Herbst konspirativ organisiert in Deutschland abgehalten wurde und bei dem in der Vergangenheit auch Mitglieder von Terrorsphära angetreten waren. Zuletzt lassen die HC-Nazis mit ihrer personellen und geschäftlichen Nähe zum rechtsextremen Musiklabel OPOS Records aus Lindenau bei Leipzig keinen Zweifel an ihrer Eingebundenheit in rechtsextreme Kreise.

Rechte Geschäfte

Anders als in Österreich floriert in Deutschland, ebenso wie in Russland und den USA, das Geschäft mit der rechtsextremen Subkultur. CDs, bedruckte Bekleidung sowie politisches Propagandamaterial bringen den Händler_innen Millionenbeträge ein[10]. In Österreich gibt es im Rockbereich keine nennenswerten Strukturen wie Labels oder Konzertagenturen, die das Nazivolk bedienen würden. Auch was Rock-Konzerte jenseits der Südtiroler Rechtsaußenrocker von Frei.wild[11] angeht, ist hier wenig zu holen für Rechtsextreme, so Thomas Rammerstorfer:

„Die heimische Nazi-Szene organisiert kaum eigene Konzerte, allein aus dem Grund, weil man von überall in Österreich relativ schnell ins Ausland kommt und in Ungarn, der Schweiz und in Deutschland relativ viele Konzerte stattfinden. Demzufolge sind heimische Nazis auch im Konzertbereich eher konsumorientiert.“

Österreichische Rechtsextremisten waren letzten Sommer auch in Thüringen anzutreffen. Das wohl größte neonazistische Musikevent der letzten Jahre in Deutschland fand im vergangenen Juli in Themar/Thüringen statt und lockte 6000 Besucher_innen an.[12] An der neonazistischen Ausrichtung des Events besteht kein Zweifel. Nicht nur aufgrund der T-Shirt-Aufdrucke Teilnehmender, die neben „HKNKRZ“ und „Adolf war der beste“ auch Stilblüten wie den Pärchenaufdruck „Adolf“ und „Eva“ (in Anlehnung an Adolf Hilter und seiner Lebensgefährtin Eva Braun) präsentierten. Bands und Veranstalter_innen sind eindeutig dem neonazistischen Milieu zuzuordnen und das Publikum tat sein übriges dazu, als vor den Augen der Polizei unzählige Besucher_innen den rechten Arm zum Gruß erhoben. Wenig verwunderlich, dass auch Nazis aus dem Umfeld von Terrorsphära anwesend waren, genauso wie bekannte Aktivisten aus den Zusammenhängen von Blood & Honour Vorarlberg.[13]

NSBM: Neonazismus im schwarzen Gewand

Die modernen Hardcore-Nazis von heute haben zwar personelle Überschneidungen mit einer ähnlich gesinnten, aber ansonsten komplett anders ausgerichteten Form der vertonten Menschenverachtung: Dem National Socialist Black Metal (NSBM). Der NSBM ist eine neonazistische Strömung im Black Metal, eine eigentlich durch den Satanismus gekennzeichnete Form des extremen Metal. Schrille Stimmen, rumpelnde Drums und verzerrte Gitarren besingen den Tod und dessen Meister. Etwas anders gestaltet es sich im NSBM: Neben Naturmystizismus und Gewaltverherrlichung orientiert man sich an unterschiedlichsten Auslegungen des Neonazismus; mal in Form eines Blut-und-Boden-Heidentums, ein andermal in der Huldigung deutscher Wehrmachtssoldaten. Auch im Sektor NSBM ist Österreich glücklicherweise kein Land mit breitem Angebot oder Vertriebsstrukturen. Es gibt aber eine Handvoll Projekte, die zumindest hinter vorgehaltener Hand den Ewiggestrigen huldigen und internationale Bekanntheit erlangten.

Eines der explizitesten ist das Ein-Mann-Projekt von Vedran M., der unter dem Bandnamen Totale Vernichtung Black Metal produziert. Songtitel wie „Alle Wege führen nach Auschwitz“, „Beseitigung von lebensunwertem Leben“ oder „Massenmord an Untermenschen“ lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Urheber ist der Wiener M., der alle Instrumente selbst einspielt und unter dem Pseudonym „Der Stacheldrahtzieher“ auftritt. Die Werbung für seine CD, welche bei einem deutschen Neonazi-Label veröffentlicht wurde, titelt mit dem Spruch „Der Stacheldrahtzieher ist wieder da!“. Untermalt wird dies mit einem Bild vom Stacheldrahtzaun eines Konzentrationslagers.[14] M.s Anbindung an das rechtsextreme Milieu besteht auch durch sein zweites Musikprojekt Rostorchester, das er mit dem Schweizer Neonazi Sven B. betreibt. Letzterer macht aus seiner Gesinnung kein Hehl.

Doch auch die Texte des Projekts Totale Vernichtung lassen nicht zweifeln, wie der Verfasser tickt. Im Lied „Ein Blitz kommt selten allein“, eine Anspielung auf den Doppelblitz, das stilisierte Logo von Hitlers Schutzstaffel (SS), heißt es:

„Ein Blitz kommt selten allein.
Zwei sollten es wenigstens sein. (…)
Wie ein Blitz kommt auch ein Blitzkrieg selten allein.
Alle umliegenden Länder werden Teil des Reiches sein.“

Vedran M. wünscht sich offensichtlich Großdeutschland zurück. An Geschmacklosigkeit nicht zu übertreffen ist aber sein Text von „Das blaue Wunder“:

„Blauer Dunst wurde euch vorgemacht,
und blauen Dunst werdet ihr nun bekommen.
Das Blaue vom Himmel wurde euch versprochen
und wird nun von euch aufgenommen.
Ein Element von solcher Macht, kann nur ein Wunder sein.
Fühlt euch geehrt: Wir sperren euch mit diesem Wunder ein.“

Es ist wenig Interpretation von Nöten, um M.s verklausulierte Huldigung der nationalsozialistischen Vergasungen mit Zyklon B zu durchblicken. Das ‚zivile‘ Musikprojekt des Neonazis-Metallers trägt im übrigen den klingenden Namen Angelcunt und ist in der heimischen Metalszene nicht ganz unbekannt.

Screenshot Youtube Hot Shower Fest Band GOATMOON

Hot Shower Festival

Mit der Konzertkultur steht es für rechtsextreme Black Metal-Fans hierzulande, ebenso wie im Bereich NS-Hardcore, schlecht: Einzig im angrenzenden oder ferneren Ausland können sich Fans des neonazistischen Schwarzmetals ihrer Bands auf der Bühne erfreuen. Jährlich strömen fast 1000 rechte Metaller_innen nach Mailand, um beim „Hot Shower Festival“ dabei zu sein, ein neonazistisches Festival, das alljährlich die Stars des NSBM aufspielen lässt. Ähnliches spielt sich seit zwei Jahren in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ab. Dass Besucher_innen dieser Veranstaltungen „endlich mal ordentlich abhitlern“ können, schreiben begeisterte User_innen in einschlägigen Foren. Nachdem der Hitlergruß hierzulande große rechtliche Probleme für Nazis nach sich ziehen kann, sind selbstverständlich auch NS-Metaller_innen aus Österreich bereit, eine Reise nach Kiew oder eben Mailand anzutreten. Das Hot Shower Festival, ausgerichtet in Kooperation von deutschen und italienischen Neonazis, zeichnet sich besonders durch seine ironische und menschenverachtende Bewerbung aus. Während der Titel des Festivals noch Zweifel am politischen Gehalt lässt, so verdeutlicht die Symbolik auf dem Merchandise-Material sehr klar die Gesinnung der Organisator_innen und Teilnehmenden: Dort wird Mussolini und dem Ku-Klux-Klan gehuldigt. Schnell wird offensichtlich, worauf der Name Hot Shower anzuspielen versucht: wieder sind es die mörderischen Gaskammern des Nationalsozialismus.

Egal ob NS-Hardcore oder neonazistischer Black Metal: Musik ist nur ein weiteres Vehikel der extremen Rechten, um für ihre Themen zu mobilisieren. Sie versucht, ihre menschenfeindliche Gesinnung (mehr oder weniger) verklausuliert unter die Menschen zu bringen, unter die Musikliebhaber_innen und alle anderen. Wie so oft kommt es einzig auf eine kritische Öffentlichkeit an, dem rechten Treiben ein Ende zu setzen. Dafür müssen aber rechtsextreme Codes erkannt und benannt werden.[15]

Derzeit ist die neonazistische Subkultur in Österreich trotz gegenteiliger Beispiele eindeutig in der Defensive, öffentliche Konzerte sind kaum denkbar. Sorgen wir dafür, dass dies so bleibt!

Zum Weiterlesen

 

Anmerkungen

[1] https://thueringenrechtsaussen.wordpress.com/2017/07/26/neonazi-konzert-mit-6-000-besuchern-am-15-juni-in-themar-auswertung-gelder-strukturen-und-der-umgang-der-behoerden

[2] http://www.tagesschau.de/inland/combat-103.html

[3] www.stopptdierechten.at/2016/03/21/vorarlberg-neonazis-formieren-sich-wieder

[4] www.stopptdierechten.at/2016/05/23/nenzing-vlbg-der-amoklauf-eines-neonazi

[5] https://exif-recherche.org/?p=1919

[6]http://oireszene.blogsport.de/2010/06/11/ns-hardcore-jetzt-auch-in-oesterreich

[7] http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/253972/die-neonazistische-musik-szene-transnational-wie-nie?pk_campaign=nl2017-09-06&pk_kwd=253972

[8] http://oireszene.blogsport.de/2014/07/29/greifvogel-wear-rechte-bekleidungsmarke-aus-dresden

[9] http://www.fussball-gegen-nazis.de/artikel/kampf-der-nibelungen-eine-sportveranstaltung-von-und-f%C3%BCr-neonazis-11267

[10] http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/185061/rechtsrock-millionen-mit-hass

[11] https://www.stopptdierechten.at/2013/04/05/die-kohle-hinter-frei-wild

[12] http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-07/themar-rechtsrock-konzert-thueringen-neonazis

[13] http://recherchewien.nordost.mobi/2017/07/oesterreichische-beteiligung-am-neonazi-konzert-in-themar

[14] http://www.profil.at/home/black-metal-rechtsextreme-rockmusik-oesterreich-346200

[15] http://www.mobile-beratung-nrw.de/attachments/article/255/Rechts-oder-was_2016-web-1.pdf

 

 

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Korporiertenkarrieren-Tracker

Wo die FPÖ Posten zu vergeben hat, greift sie auf ihr akademisches Personalreservoir – die völkischen Student(inn)enverbindungen – zurück. Hier dokumentieren wir einschlägige Postenvergaben seit der Angelobung der Bundesregierung Kurz-Strache am 18. Dezember 2017 (laufende Aktualisierung, aktuellste Meldungen oben).

couleurstudent werden

Keilflugblatt des Wiener Korporationsrings (WKR), frühe 1990er Jahre.

12. 9. 2018:

  • Wie u. a. Der Standard berichtet, hat die Regierung Hubert Keyl als Richter für den Bundesverwaltungsgerichtshof nominiert. Keyl war Mitglied der Wiener akademischen Burschenschaften Albia und Silesia, wurde aber, laut einem Profil-Bericht von 2010, aus beiden ausgeschlossen.

21. 8. 2018:

  • Konrad Weiß (ehemals aB! Libertas Wien) scheint auf der Website des BMÖDS von Vizekanzler Strache als einer von dessen Pressesprechern auf.

16. 7. 2018:

  • Thomas Hüttner (pB! Ghibellinia Wien, SV! Gothia Meran, pB! Markomannia Eisenstadt) scheint als „Fachreferent für parlamentarische Angelegenheiten“ unter den Kabinettsmitarbeiter*innen von Sozialministerin Hartinger auf – seit wann genau, ist einstweilen unklar. Hüttner ist stellvertretender Vorsitzender des Österreichischen Pennäler-Rings (ÖPR), Schriftleiter der ÖPR-Zeitschrift Junges Leben sowie ehemaliger Obmann des Rings Volkstreuer Verbände (RVV). Seit 2008 war (ist?) er zudem Schriftleiter des Eckart der Österreichischen Landsmannschaft. Für die FPÖ amtiert er als Bezirksrat und stv. Klubobmann in Wien-Donaustadt. 2010 war er als Referent auf der Vortragswoche der rechtsextremen Jungen Landsmannschaft Ostpreußen (JLO) angekündigt.

13. 6. 2018:

  • Volker Reifenberger (u. a. Corps Frankonia-Brünn Salzburg und Teutonia Graz) wird im Nationalrat als Nachfolger der nach Salzburg zurückgekehrten Marlene Svazek angelobt.

1. 6. 2018:

  • Das Ministerium für öffentlichen Dienst und Sport von Vizekanzler Strache legt eine neue provisorische Geschäftseinteilung vor. Unter den darin angegebenen Referent*innen im Ministerkabinett befinden sich auch Konrad Weiß (aB! Libertas Wien) und Konrad Belakowitsch (aB! Silesia Wien). UPDATE: Laut schriftlicher Mitteilung der B! Libertas vom 13.09.2018 ist Weiß „seit mehr als acht Jahren“ nicht mehr Mitglied der Burschenschaft.

14. 5. 2018:

  • Christian Hafenecker (aB! Nibelungia Wien) wird von den FPÖ-Gremien zum neuen Bundesgeneralsekretär (neben Harald Vilimsky und in Nachfolge von Marlene Svazek) bestellt. Er ist der erste Korporierte in dieser Funktion seit Norbert Gugerbauer (1986-1988).

26. 4. 2018:

  • Der Standard veröffentlicht eine Liste der neuen Mitglieder des ORF-Publikumsrats. Darunter findet sich auch Georg Watschinger (aB! Brixia Innsbruck), der den Österreichischen Turnerbund (ÖTB) vertritt.

11. 4. 2018:

  • Wie die Oberösterreichischen Nachrichten vermelden, soll Ulrich Püschel (aB! Arminia Czernowitz Linz) in den Aufsichtsrat der Linz AG einziehen. Er wäre dort Nachfolger des ebenfalls korporierten Andreas Hauer, der in den Verfassungsgerichtshof wechselt. Püschel ist Beobachter*innen der rechtsextremen Szene u.a. für seine Verbindungen zu „Identitären“ und der Zeitschrift „Info-DIREKT“ bekannt.

2. 3. 2018:

  • Wie schon im Jänner gemutmaßt, wird Peter Franzmayr (aB! Oberösterreicher Germanen Wien) neuer Aufsichtsratschef der ASFINAG (laut Kurier). Auch Andreas Reichhardt (GL! Cimbria Wien) wird in dieses Gremium einziehen, nachdem er unter BM Hofer bereits in den Aufsichtsrat der ÖBB bestellt worden war.

1. 3. 2018:

  • Die schwarz-blaue Mehrheit im Nationalrat nominiert, wie im Vorfeld erwartet, Andreas Hauer (Corps Alemannia Wien zu Linz) als neues Mitglied des Verfassungsgerichtshofs (VfGH). Die Ernennung obliegt dem Bundespräsidenten, der allerdings bereits am selben Tag angekündigt hat, keine Hinderungsgründe zu sehen.

28. 2. 2018:

  • Konstituierende Sitzung des neuen ÖBB-Aufsichtsrats – mit Arnold Schiefer (aB! Teutonia Wien), Andreas Reichhardt (GL! Cimbria Wien) und Norbert Gugerbauer (aB! Oberösterreicher Germanen Wien). Der Kurier berichtet.

20. 2. 2018:

  • Der Standard veröffentlicht die zwischen den Regierungsparteien akkordierte Liste der neu zu bestellenden Uniräte. Dem Bericht zufolge wurden zwei freiheitliche Vorschläge – die Burschenschafter Werner Kuich (aB! Libertas Wien) und Philipp Raich (aB! Leder Leoben) – abgelehnt. Sehr wohl zum Zug sollen mit Beschlussfassung am Folgetag (21.2.) die folgenden Korporierten kommen:
    • Universität Graz: Alois Gruber (aB! Arminia Czernowitz zu Linz)
    • TU Graz: Reinhard Kienberger (aB! Oberösterreicher Germanen Wien)
    • Universität Wien: Reinald Riedl (aB! Libertas Wien)
    • Meduni Wien: Reinhart Waneck (aV! Wartburg Wien)
    • Meduni Innsbruck: Gernot Wimmer (aB! Germania Graz)
    • Universität Linz: Michael Tissot (aB! Oberösterreicher Germanen Wien)
    • Montanuni Leoben: Hannes Hundegger (aB! Leder Leoben)
    • TU Wien: Christof Sommitsch (aC! Schacht Leoben)
    • Universität Klagenfurt: Bernd Stöckl (aL! Tyrol Innsbruck)

14. 2. 2018:

  • Arnold Schiefer (aB! Teutonia Wien) wird als Kandidat sowohl für den Aufsichtsrat des (mehrheitlich in Staatseingetum befindlichen) VERBUND als auch für den Posten des ORF-Finanzchefs kolportiert.

12. 2. 2018:

  • Landesparteiobfrau Marlene Svazek präsentiert die freiheitliche Liste für die anstehende Salzburger Landtagswahl und gibt bekannt, dass nach ihrem bevorstehenden Einzug in den Landtag Volker Reifenberger (Corps Frankonia-Brünn zu Salzburg) ihr Nationalratsmandat übernehmen wird.

7. 2. 2018:

  • Der Kurier präsentiert weitere Namen für den ÖBB-Aufsichtsrat. Demnach soll dort neben Reichhardt und Schiefer mit Norbert Gugerbauer (aB! Oberösterreicher Germanen zu Wien) ein dritter völkisch Korporierter einziehen.

3. 2. 2018:

  • Laut Kurier-Angaben soll die Bestellung von Andreas Hauer (aC! Alemannia Wien zu Linz) zum Verfassungsrichter auf Regierungsticket fix sein. Eine offizielle Bestätigung steht noch aus.

2. 2. 2018:

  • Die niederösterreichische FPÖ verlautbart, dass Reinhard Teufel (aB! Brixia Innsbruck), erst kürzlich zum Kabinettschef im BMI aufgestiegen, in den nö. Landtag einziehen wird. Teufel hatte die freiheitliche Liste im Bezirk Scheibbs angeführt.

1. 2. 2018:

  • Gleich vier augenscheinlich verhinderte Karrieresprünge gibt es heute zu vermelden: laut Bericht des Kurier scheitern die von der FPÖ als Uniräte vorgesehenen Burschenschafter Werner Kuich (aB! Libertas Wien), Alois Gruber (aB! Arminia Czernowitz Linz) und Philipp Raich (aB! Leder Leoben, pB! Vandalia Wien) am Widerstand des Koalitionspartners bzw. des Wissenschaftsministers. Am selben Tag erklärt Udo Landbauer (jüngst nach eigenen Angaben aus der pB! Germania Wiener Neustadt ausgetreten) seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern, einschließlich des Nichtantritts der freiheitlichen Position in der niederösterreichischen Landesregierung.

31. 1. 2018:

  • Der Regierungseintritt der FPÖ sorgt durch Dominoeffekte auch auf niedrigeren Ebenen für korporierte Karrieresprünge: Andrea Schartel wechselt aus dem steirischen Landtag in den Nationalrat, wo sie das freigewordene Mandat des nunmehrigen Vizekanzlers Strache annimmt. Ihr Landtagsmandat übernimmt Günter Wagner, für den wiederum Heinrich Sickl (aB! Arminia Graz) in den Grazer Gemeinderat einzieht.

29. 1. 2018:

  • Die Wiener FPÖ vermeldet in einer Presseaussendung, dass Michael Stumpf (aB! Aldania Wien) in Nachfolge von Anton Mahdalik zm Landespressesprecher bestellt wurde.

17. 1. 2018:

  • Weiterer Job für Andreas Reichhardt (GL! Cimbria Wien): soeben zum Generalsekretär im BMVIT aufgestiegen, wird er nun im Zuge der Umfärbung des ÖBB-Aufsichtsrats auch in diesen einziehen, wie Die Presse vermeldet.

14. 1. 2018:

  • Als aussichtsreichste Kandidaten für einen Richterposten am Verfassungsgerichtshof auf blauem Ticket nennt die Kleine Zeitung Andreas Hauer (aC! Alemannia Wien zu Linz) und Rüdiger Schender (pB! Hohenstauffen Linz).

13. 1. 2018:

  • In einer Presseaussendung informiert der Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) über einen Führungswechsel in der freiheitlichen Parteijugend: Udo Landbauer (pB! Germania Wiener Neustadt) übergibt die Bundesobmannschaft an Maximilian Krauss (aB! Aldania Wien). Ihm als geschäftsführender Obmann zur Seite gestellt wird Bundesrat Michael Raml (aB! Arminia Czernowitz Linz).

12. 1. 2018:

  • Der Kurier nennt Peter Franzmayr (aB! Oberösterreicher Germanen Wien) als aussichtsreichen Kandidaten für den Posten an der Spitze des ASFINAG-Aufsichtsrats.

10. 1. 2018:

  • Wie der Kurier berichtet, wird Arnold Schiefer (aB! Teutonia Wien) die Sozialdemokratin Brigitte Ederer als ÖBB-Aufsichtsratsvorsitzende(r) ablösen.

9. 1. 2018:

  • Der Wiener Landesparteivorstand ernennt Johann Gudenus (aB! Aldania Wien) zum geschäftsführenden Landesparteiobmann, wie Der Standard berichtet. Er übernimmt damit nun auch offiziell die entsprechenden Geschäfte des zum Vizekanzler aufgestiegenen Heinz-Christian Strache.

8. 1. 2018:

  • Die FPÖ Wien nominiert – in Nachfolge von Anton Mahdalik, der Johann Gudenus als Klubobmann ersetzt – Michael Stumpf als neuen Landesparteisekretär und bestätigt die schon angekündigte Rochade von Maximilian Krauss zum nicht amtsführenden Stadtrat und Dominik Nepp zum Vizebürgermeister. Alle Genannten mit Ausnahme Mahdaliks gehören derselben Verbindung an: der aB! Aldania Wien.
  • In Ergänzung seines Vizekanzleramts wird Heinz-Christian Strache (pB! Vandalia Wien) nun auch als Minister für den öffentlichen Dienst und Sport angelobt.

4. 1. 2018:

  • Ergänzung zum Kabinett von Sozialministerin Beate Hartinger: neben Volker Knestel (Kabinettschef) gehört diesem mit Dominic Keuschnig (pcB! Tauriska Klagenfurt) als „persönlicher Assistent“ der Ministerin ein weiterer Korporierter an.

22. 12. 2017:

  • Die Parlamentswebsite präsentiert die Zusammensetzung des Büros der neuen 3. Nationalratspräsidentin Anneliese Kitzmüller. Alle drei Referenten sind korporiert: Konrad Belakowitsch (aB! Silesia Wien), Michael Siedler (aB! Olympia Wien) und Dimitrij Grieb (aB! Moldavia Wien).
  • Die Zeitschrift NEWS vermeldet eine Reihe von Personalien, darunter die Nominierung von Roland Weinert (aB! Suevia Innsbruck) als Kabinettschef oder Generalsekretär in Vizekanzler Straches Ministerium für den öffentlichen Dienst und Sport sowie von Reinhard Teufel (aB! Brixia Innsbruck) als Kabinettschef im Innenministerium. UPDATE 8.1.: Weinert avancierte sowohl zum Büroleiter des Vizekanzlers als auch zum Generalsekretär in dessen Ministerium.

21. 12. 2017:

  • Das Infrastrukturministerium (BMVIT) veröffentlicht eine MitarbeiterInnenliste, aus der auch die Zusammensetzung des Kabinetts von Minister Norbert Hofer hervorgeht. Darin finden sich Herwig Götschober (aB! Bruna Sudetia Wien), Arndt Praxmarer (aB! Suevia Innsbruck), Irmgard Fischer (aM! Nike Wien) und Roland Esterer (aC! Saxonia Wien, aC! Frankonia-Brünn Salzburg).
  • Laut Website des Sozialministeriums fungiert Volker Knestel (pV! Nibelungen Bregenz, stv. Vorsitzender des Österreichischen Pennäler-Rings/ÖPR) als Kabinettschef von Ministerin Beate Hartinger.
  • PROFIL berichtet, dass Andreas Reichhardt (GL! Cimbria Wien, einst Wehrsport-Kamerad von Heinz-Christian Strache) im Infrastrukturministerium Norbert Hofers vom Sektionschef zum Generalsekretär aufsteigen soll.
  • Der Kurier vermeldet, dass Hubert Erhart (aB! Teutonia Wien, VAPO-Vergangenheit) im freiheitlichen Parlamentsklub als Pressereferent wirkt.

20. 12. 2017:

  • Johann Gudenus (pB! Vandalia Wien, aB! Aldania Wien) wird als neues Mitglied des Nationalrats angelobt.
  • Anneliese Kitzmüller (aM! Iduna Linz), am Vorabend von der FPÖ nominiert, wird zur 3. Nationalratspräsidentin gewählt.

19. 12. 2017:

  • Alexander Höferl (aB! Gothia Wien) wird als Leiter der Kommunikation im Kabinett von Innenminister Herbert Kickl präsentiert.
  • Der FPÖ-Nationalratsklub wählt Walter Rosenkranz (aB! Libertas Wien) und Johann Gudenus (pB! Vandalia Wien, aB! Aldania Wien) zum Obmann bzw. geschäftsführenden Obmann des Klubs. Rosenkranz dürfte schon unmittelbar nach der Wahl für diese Tätigkeit ausersehen gewesen sein: so hatte die Partei am 23. 10. 2017 vermeldet, dass anstelle des ursprünglich vorgesehenen Rosenkranz Udo Landbauer (pB! Germania Wiener Neustadt) die FPÖ in die niederösterreichischen Landtagswahlen 2018 führen werde.
  • Zu Stellvertretern der beiden werden Reinhard Bösch (aB! Teutonia Wien) und Roman Haider (pB! Donauhort Aschach) gewählt.
  • Die Wiener FPÖ wählt Dominik Nepp (aB! Aldania Wien) zum Nachfolger von Gudenus im Amt des Wiener Vizebürgermeisters.
  • Den freigewordenen Posten als Wiener Stadtrat erhält Maximilian Krauss (aB! Aldania Wien) als Entschädigung für seine Rückkehr aus dem Nationalrat, wo er ein Monat nach seiner Angelobung für seinen Bundesbruder Gudenus Platz machen musste.
  • Wie Der Standard berichtet, wurde Michael Klug (mutmaßlich aS! Gothia Graz) zum Kabinettschef von Verteidigungsminister Kunasek befördert.

18. 12. 2017:

  • Heinz-Christian Strache (pB! Vandalia Wien) wird als Vizekanzler angelobt.
  • Norbert Hofer (pB! Marko-Germania Pinkafeld) wird Infrastrukturminister.

 

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November 14, 2017 · 12:24 pm

Bücher von Judith Goetz

Judith Goetz, Joseph Maria Sedlacek, Alexander Winkler (Hg.): Untergangster des Abendlandes. Ideologie und Rezeption der rechtsextremen ‚Identitären‘

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Untergangster des Abendlandes. Ideologie und Rezeption der rechtsextremen ‚Identitären‘

Judith Goetz, Joseph Maria Sedlacek, Alexander Winkler (Hg.): Untergangster des Abendlandes. Ideologie und Rezeption der rechtsextremen ‚Identitären‘

Die rechtsextremen ‚Identitären‘ gehören ohne Zweifel zu den wichtigsten Akteur_innen des außerparlamentarischen Rechtsextremismus in Österreich. Ihr ,Erfolgsrezept‘ liegt einerseits darin begründet, sich nach außen hin vom Nationalsozialismus abzugrenzen und so behördlicher Repression nach dem „Verbotsgesetz“ aus dem Weg zu gehen und andererseits gesellschaftlich anschlussfähige Konzepte eines modernisierten völkischen Nationalismus zu propagieren. Dabei bedienen sie sich eines Straßenaktivismus, der geschickt mit Social-Media-Tools inszeniert und verbreitet wird. Bisherige Auseinandersetzungen mit diesem relativ jungen Phänomen übernahmen nicht selten unkritisch Selbstbezeichnungen der ‚Identitären‘ als „weder links noch rechts“ oder ,Neue Rechte‘ und ließen dahinter stehende ideologische Denkmuster meist zu kurz kommen.

Der vorliegende Sammelband nimmt daher eine kritische Analyse dieser Selbstinszenierungen vor, indem die hinter dem ‚identitären‘ Denken stehenden Vordenker und Ideologeme wie (Neo-)Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus analytisch durchdrungen und mit anderen Formen des Rechtsextremismus in Verbindung gesetzt werden. Ergänzend werden bislang vernachlässigte Themen wie subkulturelle Bezüge der ‚Identitären‘, propagierte Geschlechterbilder, Rhetoriken der Angst sowie ihr Verhältnis zu Islamismus und eurasischer Ideologie ins Zentrum der Analyse gerückt. Dabei wird auch der Frage nachgegangen, wie sich der rechtsextreme Charakter der ‚Identitären‘ begründen lässt und inwiefern von einer modernisierten Form des Rechtsextremismus gesprochen werden kann.

Marta Press, November 2017 ca. 420 Seiten ISBN: 978-3-944442-68-6 20,00 € (D), 20,00 € (AT), 22,00 CHF UVP (CH), 30,00 US$, 22,00 GBP, 40,00 AU$

Inhaltsverzeichnis

Widmung und Danksagung – Die Herausgeber_innen

Vorwort – Brigitte Bailer

Vorwort – Andrea Röpke

Einleitung: „Aus dem Schatten des Nationalsozialismus…“ Die ,Identitären‘ als modernisierte Form des Rechtsextremismus in Österreich – Alexander Winkler

„…in die mediale Debatte eindringen“ ,Identitäre‘ Selbstinszenierungen und ihre Rezeption durch österreichische Medien – Judith Goetz

Mit Metapolitik zur ,Konservativen Revolution‘? Über Umfeld und Strategie der ,Identitären Bewegung‘ in Deutschland – Carina Book

Rhetorik der Angst am Beispiel der ,Identitären‘. Zur Konstruktion von Bedrohungen, Krisen und Gefahren. – Sabine Lehner

Das alte Denken der neuen Rechten. Mit Heidegger und Evola gegen die offene Gesellschaft. – Micha Brumlik

Die Wiederholung des fast Immergleichen. Zur Genealogie der ,Identitären‘ – Florian Ruttner

Die identitäre Beseitigung des Anderen. Der gar nicht mehr so neue Neorassismus der ,Identitären‘ – Ines Aftenberger

„Jugendliche ohne Migrationshintergrund“. Ethnische Identität und völkischer Nationalismus bei den ,Identitären‘ – Thorsten Mense

„Aber wir haben die wahre Natur der Geschlechter erkannt…“ Geschlechterpolitiken, Antifeminismus und Homofeindlichkeit im Denken der ,Identitären‘ – Judith Goetz

Unheimliche Verbindungen. Über rechtsextremen Islamneid und die Ähnlichkeiten von Djihadismus und Counterdjihadismus – Heribert Schiedel

Offen, codiert, strukturell. Antisemitismus bei den ,Identitären‘ – Elke Rajal

,Eurasien‘ muss noch warten. Wie sich ,Identitäre‘ und die russische Recht annähern und was sie von einander trennt – Ute Weinmann

Sturmlieder wider die Moderne. Anmerkungen zur Rezeptionsgeschichte des Musikgenres Neofolk durch die ,Identitären‘ im deutschsprachigen Raum – Jerome Trebing

Von der Theorie zur Praxis – Ein Gespräch darüber, wie Engagement gegen menschenfeindliche Einstellungen aussehen kann?

Wien X – Stefanie Sargnagel

Kurzbiografien der Autor_innen und Herausgeber_innen

Anfragen

(für Buchpräsentationen, Vorträge, Interviews…)

herausgeber.innen@gmail.com

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Beharrliche Bilder

Bildsprache und Neonazismus-/Rechtsextremismusprävention

Andreas Hechler

Die Ikonografie des männlichen, armen, dummen, gewalttätigen und juvenilen Skinheads, der in heruntergekommenen Gegenden herummarodiert, ist ungebrochen dominant, wenn sich mit dem Thema Rechtsextremismus beschäftigt wird. Es gibt kaum Zeitungen, Buchcover oder Broschüren zum Thema, in der sich keine Bilder von muskelbepackten Glatzen, Bomberjacken, Springerstiefeln, Tätowierungen, brüllende Männerhorden und dergleichen mehr finden.
Zugleich liegt der Fokus fast ausschließlich auf den Täter_innen (1), wenn Bilder zum Thema Rechtsextremismus gezeigt werden. Aus dem Blick geraten Opfer/Diskriminierte (2) und ihre Bedürfnisse einerseits, Alternativen zum Rechtsextremismus andererseits.
Die Frage nach Bildern ist von herausragender Bedeutung aufgrund ihrer Wirkmächtigkeit. Vorherrschende Bilderwelten haben direkte Folgen für politisches und pädagogisches Handeln und prägen die Selbst- und Fremdwahrnehmung derjenigen, die als ‚rechtsextrem‘ wahrgenommen werden.
In drei Texten problematisiere ich zunächst (Teil I) den Täter_innenfokus sowie eingeschränkte und einschränkende Bilderwelten über Rechtsextreme. Daran anschließend wende ich mich in Teil II der Genese von Bilderwelten zu und frage, welche gesellschaftlichen und individuellen Funktionen diese erfüllen. Ich stelle dabei die These auf, dass die zentrale Funktion sowohl des Täter_innenfokus als auch eingeschränkter rechtsextremer Bilderwelten die Affirmation der bestehenden Diskriminierungsverhältnisse ist. Selbst wenn dies nicht gewollt ist, kann es ein ungewollter Effekt sein. An diese Kritik angelehnt, überlege ich in einem dritten Teil Alternativen und frage nach den Implikationen einer erfolgreichen Rechtsextremismusprävention.

Teil I: Bildliche Verengungen und Täter_innenfokus
In der medialen Mainstream-Öffentlichkeit findet sich zum Themenkomplex ‚Rechtsextremismus‘ wenig. Das Thema wird jenseits einer Berichterstattung über exzessive Gewalttaten eher ignoriert. Wird hingegen über das Thema berichtet, sind die aufgerufenen Bilderwelten oft problematisch, da sie nur sehr eingeschränkt Rechtsextreme/-ismus repräsentieren.

Täter_innenfokus
Bei der Betrachtung von Bilderwelten, die im Kontext Rechtsextremismus produziert und reproduziert werden, fällt auf, dass sich fast durchweg ein Täter_innenfokus findet. Es ist ja auch naheliegend, sich ‚den Rechtsextremen‘ – ihren Taten, Strukturen und Ideologien – zuzuwenden, wenn es um ‚Rechtsextremismus‘ geht. Verloren gehen hingegen zwei andere Ebenen, die für eine Präventionsarbeit von großer Bedeutung sind:
Einerseits der Blick auf und das Interesse an Menschen, die von Rechtsextremen angegriffen werden, in täglicher Angst vor Bedrohungen leben und in ihrem Aktions- und Handlungsradius stark eingeschränkt sind. Wird ihre Perspektive nicht wahrgenommen, so werden ihre Verletzungen unsichtbar gemacht mit der Folge, dass Diskriminierungen reproduziert und Gewöhnungseffekte in Kauf genommen werden (Ensinger / Kaletsch 2013, 31).
Andererseits fehlt der Blick auf Alternativen zum Rechtsextremismus. Diese sind notwendig, ganz real wie auch gedanklich, denn ohne Alternative(n) gibt es keine Alternative(n) zum Rechtsextremismus. Die Alternativen sind das, was von vornherein Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf andere Wege, Gedanken und Verhaltensweisen bringt. Alternativen sichtbar zu machen ist wichtig, und dazu gehören auch entsprechende Bilder.
Es gibt eine aufeinander bezogene Dynamik: Je mehr sich die Aufmerksamkeit auf die Täter_innen konzentriert, umso mehr werden die Opfer/Diskriminierten und Alternativen an den Rand gedrängt.

Aus der pädagogischen Arbeit mit Videomaterial gegen Rechtsextremismus ist bekannt, dass der vorherrschende Täter_innenfokus bei vielen Filmen, die in pädagogischen Settings gegen Rechts eingesetzt werden (z.B. American History X, Kombat Sechzehn, Die Kriegerin), auch das Gegenteil der gewollten abschreckenden Wirkung hervorrufen kann. Aus der „Fokussierung auf die Täter ergeben sich für die pädagogische Arbeit verschiedene Probleme, die sich mit den Worten ‚Identifikationsfalle‘ und ‚mangelnder Perspektivwechsel‘ zusammenfassend beschreiben lassen“ (Radvan/Stegmann 2013, 9). Bilder sprechen Zuschauende nicht nur kognitiv an, sondern erreichen sie auch auf emotionaler Ebene. Wenn es zum Gezeigten keine Alternative(n) gibt, kann die Wirkung von Bildern anstatt zu einer kritischen Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus auch qua Ästhetisierung zu Identifikation und Sympathie führen. Wenn es nur die positive oder negative Identifikationsmöglichkeit mit Rechtsextremen gibt, heißt das zusätzlich für all diejenigen, die sich niemals extrem rechten Kontexten anschließen können oder wollen, dass sie nicht vorkommen und ihnen keine positiven Identifikationsmöglichkeiten geboten werden.
Einseitige Darstellungen von Rechtsextremen, ihrer Perspektiven, Positionen und Geschichten führen oft auch dazu, dass ihre Motivationen individualisierend und psychologisierend erklärt werden, zugleich werden rechte Einstellungsmuster in der Gesamtgesellschaft dethematisiert und Diskriminierung an einen konstruierten rechten Rand projektiv ausgelagert (ebd.).

Diese grundsätzliche Kritik am Täter_innenfokus wird durch eine zweite Kritik ergänzt, die die konkrete Bebilderung rechtsextremer Lebenswelten, Szenen und Ideologien direkt betrifft.

Eingeschränkte Bilderwelten
Die mediale Berichterstattung über Rechtsextreme orientiert sich seit mehreren Jahrzehnten am klassischen Skinhead, dem ‚Hool‘, dem Demogänger, dem Black-Block-Autonomen Nationalisten, neuerdings auch den ‚Identitären‘. Glatze, Bomberjacke, Springerstiefel, Tätowierungen, Baseballschläger, Hitlergruß, Hakenkreuz und dergleichen mehr gehören zu den Bildelementen einer Ikonografie, die schon viel zu oft produziert, reproduziert, gesehen und konsumiert wurden.
Tatsächlich gibt es solche Rechtsextremen. Die Mehrheit ist aber anders. Es gibt die am Nationalsozialismus orientierte soldatische Männlichkeit, die rechtsextreme Liedermacherin, den traditionell-elitären Verbindungsstudenten, die rechtsbürgerliche Law and Order und Anti-EU-Parteifunktionärin, den trendbewussten autonomen Nationalisten, den christlichen Fundamentalisten, die völkische Mehrfach-Mutter und Hausfrau, den rechten Internet-Blogger, die erlebnisorientierte Demogängerin, die Vertriebenenfunktionärin, den NPD-Abgeordneten, den neurechten Schreiber, die Aktivistin der Braunen Hilfe, rechtsextreme Renees, die Szene-Anwältin, die Hakenkreuz-Kuchenbäckerin im Elternrat, den rechten Kneipenwirt, die Anti-Antifa-Fotografin, den schwulen national-sozialistischen Skinhead, den völkisch-esoterischen Ökobauern, das ,Identitäre‘ It-Girl und viele mehr. Rechtsextreme sind auch alt, weiblich, reich, akademisch, intelligent, nicht selbst gewalttätig, nicht organisiert, leben in liebevollen Familienbezügen, sind sicher gebunden und wählen nicht-rechtsextreme Parteien. In den Bildern über sie kommt diese Ausfächerung von Artikulationsformen, Lebensweisen und Positionierungen hingegen kaum vor; es sind Bilder, die nur sehr eingeschränkt wiedergeben, was sie vorgeblich abbilden.
Hinzu kommt, dass auch Rechtsextreme viele ‚normale‘ Dinge tun: Sie atmen, kochen, essen, schlafen, treffen Freund_innen, betreuen Kinder, machen Ausflüge, hören Musik und dergleichen mehr. Das ist banal und vergleichsweise langweilig und für Medien daher uninteressant. Dies dürfte einer der Gründe dafür sein, dass oft über Rechtsextreme erst dann berichtet wird, wenn es um martialische Gewalttaten geht und hierfür entsprechender Bilder gesucht werden. Zusätzlich ist vieles oben Aufgezählte schwer abbildbar, da es im privaten Rahmen stattfindet. Das wiederum dürfte neben vergeschlechtlichten Wahrnehmungsmustern, die weibliche Rechtsextreme ausblenden, einer der Gründe sein, warum es zu einer Schieflage in der Darstellung rechtsextremer Männer und Frauen kommt, da Frauen qua rechtsextremer Ideologie und Praxis erheblich stärker als Männer an weniger sichtbare ‚private‘ Sphären und Tätigkeiten gebunden sind (Amadeu Antonio Stiftung 2014).

Teil 2: Funktionen des Täter_innenfokus und eingeschränkter Bilderwelten
An die Problembeschreibung anknüpfend stellt sich die Frage, wieso das so ist: Wieso setzen sich bestimmte Bilder durch und andere nicht?
Wenn man* davon ausgeht, dass die meisten Menschen der Ansicht sind, ‚echte‘ Rechtsextreme nicht zu kennen, können Bilder von Rechtsextremen einen Eindruck direkter Anschaulichkeit vermitteln: ‚So sind sie, so sehen Rechtsextreme aus!‘ Aufgabe der Bilder wäre es demnach, etwas sichtbar zu machen, was sich dem ‚normalsterblichen‘ Auge entzieht. Diesem konventionellen Bildverständnis zufolge gibt es eine Übereinstimmung von Bild und Realität.
Bilder sind aber keine einfachen Spiegelungen von Realität, sondern Abbildungen einer ganz bestimmten Realität. Es gibt einen Unterschied zwischen dem repräsentativen Charakter von Bildern und der Sache, auf die sie verweisen (sollen). Es ist ‚nur‘ ein Bild von Rechtsextremen, und zwar ein ganz bestimmtes, es sind nicht die Rechtsextremen selbst, geschweige denn der Rechtsextremismus als gesellschaftspolitisches Phänomen.
Um nachvollziehen zu können, wie kulturelle und individuelle Bildgedächtnisse (mit-)konstruiert werden, ist es relevant, sich mediale Kanonisierungsprozesse zu vergegenwärtigen. Uwe Pörksen spricht bei derartigen standardisierten visuellen Zugriffen auf die Welt von „Visiotypen“, die durch eine ganz bestimmte Lesart in ihrer Bedeutung festgelegt sind: „Ich gebrauche das Wort ‚Visiotyp‘ parallel zu ‚Stereotyp‘ und meine zunächst diesen allgemein zu beobachtenden, durch die Entwicklung der Informationstechnik begünstigten Typus sich rasch standardisierender Visualisierung. Es ist eine durchgesetzte Form der Wahrnehmung und Darstellung, des Zugriffs auf ‚die Wirklichkeit‘“ (Pörksen 1997, 27). Visiotype sind Resultate einer bestimmten Perspektive, sie vereinheitlichen Vielfalt, reduzieren Komplexität, folgen einem homogenisierendem Blick und haben eine einfache und klare Botschaft. Ihre Bedeutung ist eine durch konstanten Gebrauch sich einspielende Übereinkunft, die, einmal durchgesetzt und kanonisiert, ein gewisses Eigenleben führt und eine andere Lesart weitestgehend unmöglich macht (ebd.: 164‒168).
Der rechtsextreme Skinhead kann meines Erachtens als ein solches Visiotyp bezeichnet werden. Es ist ein Visiotyp, das das Realitätsbild vieler Menschen darin beeinflusst, wie sie ‚Rechtsextreme‘ und ‚Rechtsextremismus‘ wahrnehmen: als jung, arm, dumm, hypermaskulin, über alle Maßen gewalttätig, aus einer sozial zerrütteten Familie und ganz überwiegend aus Brennpunktgebieten stammend. Wer dem nicht entspricht, fällt tendenziell durch das Raster ‚Rechtsextremer‘. Das kann dazu führen, dass Skinheads auf der Straße oder im Jugendclub automatisch mit Rechtsextremen in Verbindung gebracht werden, während Rechtsextreme, die beim Familientreffen am gleichen Tisch sitzen, nicht als Rechtsextreme wahrgenommen werden. Es kann auch dazu führen, dass sich Jugendliche und Erwachsene mit extrem rechten Einstellungsmustern selbst überhaupt nicht mit Rechtsextremismus in Verbindung bringen. Das Visiotyp des rechtsextremen Skinheads beeinflusst auch politisches Handeln, was u. a. an den regionalen, nationalen und EU-weiten Programmen gegen Rechts mit ihrem starken Fokus auf Gewalthandeln und Jugendlichkeit, ihrer Delegation an die Pädagogik und einer Unterbelichtung von Einstellungen einerseits und alltäglichen Mikroprozessen der Ausgrenzung andererseits, abzulesen ist (Blome / Manthe 2014; Burschel et. Al. 2013; Stützel 2013).

Funktionale Bilder
Pörksen (1997, 167) führt aus, dass sich die Norm auf der Ebene des Gebrauchs durchsetzt und die Vorherrschaft über andere Varianten erlangt. Dies erklärt aber noch nicht, warum es gerade diese und nicht jene Norm ist, die sich durchsetzt. Wieso gab und gibt es nach wie vor das Skinheadbild von Rechtsextremen und wieso kommen in der Beschäftigung mit dem Thema Opfer/Diskriminierte und Alternativen so wenig vor? Welche Funktionen erfüllt dieses eingeschränkte Bild?
Ich denke, dass die zentrale Funktion sowohl des Täter_innenfokus als auch eingeschränkter rechtsextremer Bilderwelten die Bestätigung des Status quo und die Abwehr einer tiefgreifenden und ernsthaften Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und Ideologien der Ungleichheit ist. Auf mögliche daran geknüpfte Funktionen gehe ich im Folgenden ein.

Mögliche Funktionen des Täter_innenfokus: Begünstigung von Herrschaft
Wenn Opfer/Diskriminierte von Rechtsextremen angegriffen werden, brauchen sie über einen langen Zeitraum jede nur denkbare Unterstützung. Sie leiden und das scheint oft langweilig und unattraktiv zu sein. Die Faszination des Bösen/der Rechtsextremen und ihrer Macht ist oft größer. Die Verweigerung von Empathie und Unterstützung kann Ausdruck eines simplen Bedürfnisses nach Ruhe sein. Es kann auch die Abwehr einer Angst sein, selbst in eine Position großer Ohnmacht und einen Opferstatus zu geraten.
Die Wahrnehmung von Opfern/Diskriminierten und ihrer Bedürfnisse erfordert die Anerkennung staatlich und gesellschaftlich produzierter Ungleichheitsverhältnisse. Das fängt bereits mit dem Umstand an, dass man* sich mit Rechtsextremismus nicht beschäftigen muss, wenn man* nicht unmittelbar bedroht ist, Angsträume bleiben für Privilegierte oft unsichtbar (Ensinger / Kaletsch 2013, 30). Ebenso gelangt man* beim Nachdenken über Alternativen zum Rechtsextremismus schnell an die Grenzen des Bestehenden. In beiden Fällen müsste über Kapitalismus nachgedacht, über staatlichen Rassismus gesprochen, institutionalisierter Sozialdarwinismus hinterfragt, die kulturelle Tradierung des Antisemitismus unterbrochen und heteronormative Zweigeschlechtlichkeit kritisiert werden ‒ und das ist nur eine sehr unvollständige Aufzählung.
Bezogen auf die Rechtsextremismusprävention geht die Förderung der Arbeit mit ‚rechtsextremistisch gefährdeten Jugendlichen‘ zu Lasten zivilgesellschaftlicher Strukturen gegen Rechts (Laumann 2014). Flankierende Mainstreamdiskurse der letzten Jahre waren und sind u. a. Jungen als Bildungsverlierer, ‚Rassismus gegen Weiße‘ und nicht zuletzt das Einschwören auf ‚Deradikalisierung‘, die Antifaschismus per se unter Verdacht stellt (‚Extremisten von links‘) und auf der extremismustheoretischen Grundannahme einer unbelasteten ‚Mitte‘ basiert. Mit diesen Diskussionen werden rechtsextreme Ideologieelemente bestärkt sowie Opfer/Diskriminierte und Alternativen verdrängt (Feustel 2014, 78f.).
Die Begünstigung individueller, struktureller und diskursiv-kultureller Herrschaft ist immer ein Plus für den Rechtsextremismus und ein Minus für die Opfer/Diskriminierten und die Alternativen. Wenn zusätzlich diejenigen, die den Rechtsextremismus bekämpfen, als ‚linksextrem‘ diffamiert werden und Opfern/Diskriminierten vorgehalten werden kann, zur ‚falschen Zeit‘ am ‚falschen Ort‘ mit dem ‚falschen Verhalten‘ gewesen zu sein, muss sich mit einer Kritik am Täter_innenfokus nicht weiter beschäftigt werden.

Mögliche Funktionen eingeschränkter Bilderwelten: Schaffung maximaler Distanz
Als Inbegriff des Bösen haftet Rechtsextremen eine Aura des Teuflischen an. Hier geht es um die Konstruktion als ‚das Andere‘ und die Schaffung maximaler Distanz durch Abscheu. Rechtsextreme werden als klar zu umreißende Gruppe von ‚Extremist_innen‘ gezeichnet, die von ‚den Demokraten‘ und ‚unserer Gesellschaft‘ abgegrenzt werden. Es geht um Gruppendistinktion und eine eindeutige Scheidung: Der Mainstream der Gesellschaft hat damit nichts zu tun. Je marginalisierter und gescheiterter Rechtsextreme gezeigt werden, umso mehr können sich nationale Gesellschaften und die viel zitierte ‚europäische Wertgemeinschaft‘ ihrer Selbstbilder versichern und sich ‚von denen‘ abgrenzen.
Würde ein realistischeres Bild von Rechtsextremen abgebildet, würde diese scheinbar klare Trennung in fließende Übergänge diffundieren. ‚Die Mitte‘ oder ‚die Demokraten‘ oder ‚die Österreicher_innen/ Engländer_innen/ Italiener_innen/ Rumän_innen/ Pol_innen/ …‘ wären als Gegensatz zu ‚den Rechtsextremen‘ nicht haltbar, es gibt Überschneidungen, Parallelen, wechselseitige Bezugnahmen und Dynamiken. Die Träger_innen des Rechtsextremismus sind Menschen, aber der Rechtsextremismus ist nicht nur eine personalisierte Angelegenheit, sondern er ist komplexer: Er verweist auf eine bestimmte Gesellschaftsstruktur, individuelle wie kollektive Denktraditionen, den Stand der Produktivkraftentwicklung, gesellschaftliche Umgangsweisen mit Krisenphänomenen, institutionalisierte Herrschaft und dergleichen mehr. Nationalstaaten und Kapitalismus, um nur zwei zu nennen, begünstigen rechte Denkformen. All das lässt sich schwer bebildern und geht im bomberjackentragenden Skinhead nicht auf. In dessen Figur werden alle sozialen und politischen Zusammenhänge ausgeklammert, sie ist ein mythisches Bild.
Die bisherigen Ausführungen verdeutlichen, warum sich weder wirklich mit den Opfern/Diskriminierten von Rechtsextremismus beschäftigt wird, noch mit den Alternativen zum Rechtsextremismus und auch nicht wirklich mit den Rechtsextremen selber, da es sich bei ihnen, Mainstream-Logiken folgend, nur um eine kleine Minderheit handelt, mit denen man* nichts zu tun hat und die an einem als ‚extremistisch‘ konstruierten Rand vor sich hintümpeln. Dies erklärt sowohl den Täter_innenfokus als auch die eingeschränkten Bilderwelten. Gänzlich aus dem Blick geraten zudem staatliches wie institutionelles Handeln.

Teil 3: Bildliche Alternativen
Meine Kernthese ist, dass die Dethematisierung der Perspektiven von Opfern/Diskriminierten einerseits und Alternativen zum Rechtsextremismus andererseits den diskriminierenden Status quo stabilisiert und, dass sich dies auch in Bildern niederschlägt. Da Bilder die Gesellschaft und nicht zuletzt politisches wie pädagogisches Handeln beeinflussen, folgt für mich daraus, dass wir (auch) andere Bilder benötigen.

Was wären Alternativen?
Eine gute Alternative ist ein Perspektivenwechsel, um einen einseitigen Täter_innenfokus nicht immer und immer wieder zu reproduzieren. Ensinger und Kaletsch plädieren dafür, „die Täterfixierung zu überwinden und die Analyse aus einem konsequent die Opferperspektive beachtenden Fokus zu betreiben“ (Ensinger / Kaletsch 2013, 31).
Auf der Ebene von Bildern ist wichtig, bei der Sichtbarmachung von Verletzungen und Bedrohungen darauf zu achten, dass Opfer/Diskriminierte nicht einfach nur als Opfer gezeigt werden, da diese Form der Reviktimisierung den Opferstatus festschreibt und andere Umgangsweisen unsichtbar bleiben, beispielsweise wenn Opfer/Diskriminierte sich gegen Diskriminierung und Ausgrenzung wehren. Es sollten also starke Bilder von Menschen produziert und gezeigt werden, die von Rechtsextremen potenziell angegriffen werden.
Die Perspektive der Opfer/Diskriminierten dokumentiert die Taten der Täter_innen und mit dieser lässt sich sehen und nachempfinden, was Rechtsextremismus bedeuten kann, ohne dass Rechtsextremen und rechtsextremer Ideologie zu viel Raum gegeben wird. Aus einer solchen Perspektive kann deutlich werden, dass eine kleine Sache viel auslösen kann, die von jenen Menschen, die nicht zum rechtsextremen Feindbild gehören, in den meisten Fällen gar nicht erst wahrgenommen wird. Ein rechtsextremer Aufkleber an der Straßenlaterne beispielsweise kann für jemanden, der Rassismus erlebt, ein Bedrohungsgefühl und Unwohlsein hervorrufen, eine Einschränkung im Alltag bedeuten und den Bewegungsradius einschränken.
Ein ausschließlicher Fokus auf die Opfer/Diskriminierten kann allerdings auch Gefahr laufen, die Täter_innen und Zusammenhänge, die zum Opfer machen auszublenden. Historisch betrachtet ist das beispielsweise in der bundesdeutschen Post-NS-Gesellschaft mit ihrem Philosemitismus lange Zeit der Fall gewesen und ist es teilweise bis heute. Für die Post-NS-Täter_innengesellschaft war es leichter, sich mit Jüd_innen zu beschäftigen, den eigenen Kindern jüdische Vornamen zu geben und Klezmer zu goutieren als eine kritische Täter_innenperspektive einzunehmen, die wesentlich unangenehmer für das eigene Dasein gewesen wäre (Rommelspacher 1994, 42-45; Bodemann 1996). Eine Kritik am Täter_innenfokus meint nicht, dass man* sich mit den Täter_innen gar nicht mehr beschäftigt. Es heißt lediglich, dass man* sich nicht nur mit den Täter_innen beschäftigt, sondern auch.
Die Kritik an eingeschränkten Bilderwelten impliziert, dass realitätsgetreuere Bilder von Rechtsextremen und ihren Lebenswelten gezeigt werden könnten. Zum einen sollten Rechtsextreme in ihrer Vielfalt und auch Widersprüchlichkeit dargestellt werden, zum anderen sollte erheblich stärker als bisher auf Inhalte eingegangen werden. Weibliche, intellektuelle, gebildete, erfolgreiche, wohlhabende, gewaltdelegierende, nicht organisierte, in ‚guten‘ Wohngegenden lebende und/oder ältere Rechtsextreme gilt es hierbei verstärkt abzubilden.
Zum multiperspektivischen Blick gehören als dritte Perspektive auch die Alternativen zum Rechtsextremismus. Ohne diese ist jedes Bemühen vergebens. Alternativen bedeutet im Kontext von Rechtsextremismus(-prävention), die Macht der Täter_innen und des Rechtsextremismus zu hinterfragen, Auswege aufzuzeigen und gegen die Ohnmacht anzugehen – es geht auch anders! Alternativen sind insbesondere linke, emanzipatorische, demokratische, queere, antirassistische und antifaschistische Zusammenschlüsse, Orte, (Jugend-)Kulturen und Aktivitäten ebenso wie nicht-diskriminierende Verhaltensweisen, demokratische Interessenvertretungen und Konfliktlösungsstrategien (MBR / VDK 2006, 98–102). Diese ins Bewusstsein zu rufen und bildlich darzustellen, ist ein wichtiger Aspekt von Rechtsextremismusprävention.

Für eine gelungene Bilderwelt gegen Rechtsextremismus sind demzufolge erstens empowernde Bilder von Opfern/Diskriminierten, zweitens Bilder von und über Alternativen und drittens ein kritisch-realistischer Blick auf Täter_innen nötig. Die Reihenfolge gibt auch die Priorisierung an, insbesondere wenn Ressourcen begrenzt sind. Diese Bilderwelt steht im Kontext einer allgemeineren Prävention, die dann gelungen ist, wenn sich für die Opfer/Diskriminierten von Rechtsextremismus nachhaltig etwas zum Positiven ändert (Ensinger / Kaletsch 2013, 31f.). Es geht um Täter_innenprävention, weil es um Opferprävention geht!

(1) Mit ‚Täter_innen‘ meine ich Menschen, die mit Gewalt und ideologischer Überzeugung zur Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse beitragen. Es geht mit der moralisch-juridischen Kategorie des_r Täter_in hingegen nicht darum, einen individuellen Charakterzug zu beschreiben. In der Auseinandersetzung mit Privilegien, Dominanz, Herrschaft und Strukturen gesellschaftlicher Ungleichheit kann diese Begrifflichkeit dazu beitragen, gesellschaftliche Verhältnisse qua Fokus auf individuelle Verhaltens- und Denkweisen zu dethematisieren. Dabei sind es genau diese Verhältnisse, die im Effekt Täter_innen hervorbringen. In Ermangelung eines Alternativbegriffs benutze ich ‚Täter_in‘.

(2) Um dem Dilemma zu entgehen, einerseits konkrete Opfer anerkennen, andererseits den Opferstatus nicht festschreiben und Widerstände unsichtbar machen zu wollen, verwende ich das Begriffspaar ‚Opfer/Diskriminierte‘.

 

Der Artikel ist eine gekürzte und überarbeitete Fassung des gleichnamigen Artikels aus dem Sammelband Geschlechterreflektierte Pädagogik gegen Rechts.

Literatur
Amadeu Antonio Stiftung (2014): Rechtsextreme Frauen – übersehen und unterschätzt. Berlin: Eigendruck.
Blome, Mathis/Manthe, Barbara [Hrsg.innen] (2014): Zum Erfolg verdammt. Bundesprogramme gegen Rechtsextremismus. Düsseldorf: Eigendruck.
Bodemann, Y. Michal (1996): Gedächtnistheater. Die jüdische Gemeinschaft und ihre deutsche Erfindung. Hamburg: Rotbuch Verlag.
Burschel, Friedrich/Schubert, Uwe/Wiegel, Gerd [Hrsg.] (2013): Der Sommer ist vorbei … Vom „Aufstand der Anständigen“ zur „Extremismus-Klausel“: Beiträge zu 13 Jahren „Bundesprogramme gegen Rechts“. Münster: Edition Assemblage.
Ensinger, Tami/Kaletsch, Christa (2013): Die Bedeutung der Opferperspektive für die Beratungsarbeit. In: beratungsNetzwerk Hessen – Mobile Intervention gegen Rechtsextremismus: Einblicke in die Praxis. Wiesbaden: Eigendruck. S. 29‒32.
Feustel, Susanne (2014): Von der „Glatzenpflege auf Staatskosten“ zur Deradikalisierung als Konzept? In: Kulturbüro Sachsen [Hrsg.]: Politische Jugendarbeit vom Kopf auf die Füße. Dresden: Eigendruck. S. 67‒79.
Laumann, Vivien (2014): Die Bedeutung von Geschlecht in den Bundesprogrammen gegen Rechtsextremismus. In: Blome/Manthe [Hrsg.innen]: Zum Erfolg verdammt. Düsseldorf: Eigendruck. S. 57‒60.
Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus in Berlin/Verein für Demokratische Kultur in Berlin e.V. [Hrsg.innen] (2006): Integrierte Handlungsstrategien zur Rechtsextremismusprävention und -intervention bei Jugendlichen. Hintergrundwissen und Empfehlungen für Jugendarbeit, Kommunalpolitik und Verwaltung. Berlin: Eigendruck.
Pörksen, Uwe (1997): Weltmarkt der Bilder. Eine Philosophie der Visiotype. Stuttgart: Klett-Cotta Verlag.
Radvan, Heike/Stegmann, Julia (2013): Dokumentar- und Spielfilme zum Thema Rechtsextremismus. Pädagogische Überlegungen. In: Amadeu Antonio Stiftung [Hrsg.in]: „Film ab! – Gegen Nazis“. Berlin: Eigendruck. S. 8‒16.
Rommelspacher, Birgit (1994): Schuldlos – Schuldig? Wie sich junge Frauen mit Antisemitismus auseinandersetzen. Hamburg: Konkret Literatur Verlag.
Stützel, Kevin (2013): Männlich, gewaltbereit und desintegriert. In: Amadeu Antonio Stiftung/Radvan, Heike [Hrsg.innen]: Gender und Rechtsextremismusprävention. Berlin: Metropol Verlag. S. 211‒229.

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Faschistoide Sprache und virtuelle Massenbildung

Von Carina Klammer

Erschienen in: Malmoe Nr. 79, 2017

 

 „Definieren wir also den Faschismus unter anderem als eine militante Suche nach Eindeutigkeit, die nur mit dem Tod des anderen enden kann, so erkennen wir jene Identität von Sprache und Mord, die ihn charakterisiert.“ – Georg Seeßlen[1]

 

Die völkische Rechte modernisiert sich. Diese Modernisierung ist nur oberflächlich eine des Inhalts, im Wesentlichen jedoch eine der Form. Was etwa bei den (Neo-)Nazis „Umvolkung“ hieß, heißt heute bei der Identitären Bewegung „der große Austausch“. Modernisierung, das bedeutet für die Rechte zuallererst die Erschließung neuer Felder – was nicht passt wird hierbei passend gemacht. Sei es der Angriff als „Selbstverteidigung“, Leistungselitarismus als Politik des „kleinen Mannes“, Ideologie und Lüge als „alternative Wahrheiten“ oder die Erb*innen des Faschismus als selbsternannte letzte Rettung der Demokratie. So manche meinen, das permanente Verstricken in Widersprüche wäre die Achillesferse der extremen Rechten. Der charakteristische Bezug auf das Irrationale ist jedoch mehr Erfolgselement rechtsextremer Bewegungen als deren Hindernis. Ihre Glaubhaftigkeit steht auch nie tatsächlich am Prüfstand, denn die „Masse lechzt weniger nach einem Herrn als nach Illusionen“.[2] Der Mythos und seine Rituale sind angetreten, sich ihre eigene Wirklichkeit zu schaffen – zunächst in der Form des Versprechens.

Es sind nicht nur die gesetzlichen Verbote, die Codes wie „88“ für „Heil Hitler“ hervorbringen, es ist die Gemeinschaft der Eingeweihten selbst, die sich immer und immer wieder als solche bestätigen muss. Es geht um das passende Gefühl dazu, man kennt es bzw. hat es – oder eben nicht. Wer nach Erklärungen, Argumenten und Fakten fragt, macht sich verdächtig, dass es an dem mangelt, was diese Gemeinschaft doch im Innersten zusammenhält. Es ist ein diffuses Gefühlskonglomerat, das viele Namen kennt: Heimatliebe, Nationalstolz, Ehre, Treue. Dazu gehört eine Sprache der Symbole und Bilder, die immer wieder mit denselben Floskeln auffährt, hinter denen sich jedoch nichts als Leere befindet. Zeichen, die auf nichts mehr verweisen, außer auf sich selbst. In dem Moment, wo die extreme Rechte die Begriffe „Volk“ und „Rasse“ tatsächlich auszubuchstabieren und zu rationalisieren versucht, hat sie ihren ideologischen Zenit schon überschritten. Die „Fanatiker wie die Mitläufer werden ihre Weltsicht umso fanatischer verteidigen, je weniger sie im Innersten von deren Wahrheit überzeugt sind.”[3] Das war und ist auch bis heute der Sog des Antisemitismus: Die ganze Welt aus einem einzigen Punkt heraus begreifen zu können – dem Juden.

In diesem Sinne hat Leo Löwenthal die faschistische Agitation als „umgekehrte Psychoanalyse“ beschrieben, bei der die unbewussten Ängste, Regressionsneigungen, neurotischen Zwänge und Abwehrstrukturen nicht aufgelöst, sondern gezielt verstärkt werden. Daran anschließend könnte vielleicht auch von der rechten Rhetorik als einer „umgekehrten“ gesprochen werden: Nicht die Überzeugung mittels Argument ist ihre Kunst, sondern vielmehr alles andere in das eigene System aus Paranoia und Wahn hineinzuziehen. Am Ende verlieren sich auch die einzelnen Fakten, die keine sinnhaften Ansatzpunkte mehr finden. So zielt etwa der Begriff des „Gutmenschen“ nicht nur auf eine Diffamierung bestimmter gegnerischer Verhaltensweisen, sondern grundlegender auf die Dekonstruktion von Grundkonstanten der Moral. Ganz nach dem Motto: „Die Bösen werden die Guten sein.“ – und vice versa. Freud betonte, „dass der Wahnsinn nicht nur Methode hat, wie schon der Dichter erkannte, sondern dass auch ein Stück historischer Wahrheit in ihm enthalten ist“.[4] Der Vorteil der völkischen Rechten ist, dass sie keinen Begriff von Gesellschaft, sondern nur von Gemeinschaft hat. Sie spaltet gesellschaftliche Widersprüche schlichtweg auf die Anderen ab. „Der Hass, der uns gegenwärtig auf allen Kanälen entgegenschwappt, ist umgewandelte soziale Angst, die jedoch verdrängt wurde.“[5] Je größer die gesellschaftlichen Widersprüche werden, je mehr die Gesellschaft zum Spektakel verkommt, desto leichter fällt ihre Torpedierung von rechts. Guy Debord schrieb in Die Gesellschaft des Spektakels: „Im Spektakel, dem Bild der herrschenden Wirtschaft, ist das Endziel nichts, die Entwicklung alles. Das Spektakel will es zu nichts anderem bringen als zu sich selbst.“[6] Auch der Faschismus ist Bewegung, die es zu nichts anderem als zu sich selbst bringen möchte. Was ihn vom Spektakel des Kapitalismus unterscheidet – das Endziel ist alles. Keine individuellen Versprechungen, sondern nur ein kollektives: Erlösung – oder Untergang. Ein Spiel, das auch nach 1945 noch funktioniert, da zu den „Hinterlassenschaften (…) des barbarischen Jahrhunderts“ gehört, dass die Mehrheit „mit dem Schlimmsten rechnet und an nichts mehr glaubt, schon gar nicht an die eigene Fähigkeit, die Dinge zum Besseren zu wenden.”[7] Verschwörungstheorien bleiben vor allem deshalb en vogue, da sie alle „eine Rechnung zu begleichen“ haben, „und die Doktrin sagt ihnen, mit wem.”[8] Stehen die Schuldigen erst einmal fest, kann sich eine Dynamik des pessimistischen Grundtenors in Aggression entladen.

 

Ja, Panik! Lustgemeinschaft & Verfolgungswahn

Nach 1945 wurde der Stammtisch zum Sinnbild der (Kriegs)Verlierer*innen und all jener, die nunmehr die einstige Glorie des kollektiven Massen-Rausches im Rückzug in den privaten Mikrokosmos zelebrierten: „Wir brauchen keine Fremden nicht, wir sind uns selber schon zu viel.“[9] Heute wird diese Lustgemeinschaft zunehmend in virtuellen Räumen erzeugt. Wie privat oder öffentlich ist jedoch der „virtuelle Stammtisch“? Wo seine Grenze? Tatsächlich haben wir es mit zwei Effekten zu tun: einerseits mit einem verstärkten Rückzug in die von außen isolierte Informations-Parallelgesellschaft, die durch die Filterblasen und Echokammern von virtuellen Medien eine neue Dynamik erhält. Andererseits sind die virtuellen Hass-Fluten umgekehrt Teil der Rückeroberung des öffentlichen Raumes. Die alte Losung „Massen-Kommunikation als Massen-Partizipation“, die sich damals noch anhand der „inszenierten Auren der Aufzüge und Massenversammlungen“[10] organisierte, trifft angesichts der sozialen Medien auf veränderte Möglichkeiten: Die Masse bleibt hierbei nicht mehr bloße Zuhörer*in, sondern erhält nunmehr verstärkt eine Sprechposition. Gerade das Sharen von ein und derselben Botschaft verstärkt die Inszenierung einer immer mit sich selbst einigen Kollektiv-Stimme. Man traut sich wieder! Dabei hilft, dass sich die virtuelle Masse mitunter diffus und schwer greifbar aufbläst. So halten etwa wenige Trolle nicht selten Foren von Online-Medien in Dauerbeschlag und spammen die „Lügenpresse“ mit Drohbotschaften zu.

Antisemitische Codes

Zunehmend vereinen virtuelle Technologien auch das Medium mit dem totalisierenden Wiederholungszwang, sich in der Abwehr des „Anderen“ immer wieder seiner Selbst zu vergewissern. So entwickelte die rechtsextreme „Alt-Right“-Bewegung ein Tool zum Online-Harassment, den sogenannten „Coincidence Detector“, der Namen von Personen und Einrichtungen, die verdächtigt wurden jüdisch zu sein, automatisch auf jeder im Browser aufgerufenen Webseite kennzeichnete. Das Plugin umfasste um die 8800 Namen, die von den ca. 2500 Benutzer*innen zusammengetragen wurden, bevor es von Google offiziell aus dem Chrome Store entfernt wurde. Namen wurden hierbei mit mehrteiligen Klammern versehen, zum Beispiel (((Goldberg))). Diese sogenannte „Echo“ Klammer war vor dem Frühjahr 2016 noch relativ unbekannt, bis sie von der „Alt-Right“ auf Twitter verbreitet wurde. Ihr Ursprung wird auf den rechtsextremen Blog „The Right Stuff“ zurückgeführt, dessen Podcast „The Daily Shoah“ jüdische Namen mit einem cartoonartigen Echoeffekt verfremdete. So heißt es im „Lexikon“ des Blogs „all Jewish surnames echo throughout history“ – eine Umschreibung für das antisemitische Bild des Juden als „ewigen Unheilstifter“. Hieraus entwickelte sich bald der antisemitische (((echo))) Code. Dieser gewährleistet den Autor*innen von Hate-Postings darüber hinaus eine gewisse Schutzfunktion, da Klammer-Zeichen von gängigen Suchmaschinen nicht verarbeitet werden. Offenkundig bleibt, dass diese Sprache und ihre Techniken ebenso sehr als Drohung fungieren wie sie das Ausmaß der antisemitischen Verfolgungsgelüste verdeutlichen.

Sprache und Wortgewalt

Wenn sich die faschistoide Sprache durch etwas auszeichnet, dann wohl dadurch, dass sie zuallererst nicht nur Affekt- sondern eigentlich Gewaltsprache ist. Sprachliche Mittel sind hierbei die notwendige Vorbereitung physischer Gewaltakte im Sinne der Objektivierung bis hin zur Entmenschlichung des Gegenübers. Manchmal scheinen diese heute harmloser als etwa die bekannten Parasiten- und Tiermetaphern der Neonazis. Aber auch Wortkreationen wie „Willkommensklatscher“ dienen dazu, Menschen auf ihr angeblich schädliches Verhalten zu reduzieren. Auch schwingt schon der Ruf nach der gewünschten Sanktionierung mit: jemandem „eine klatschen“ als Synonym für Schlagen. Und auch in Neonazi-Kreisen wird zum gemeinsamen „Klatschen gehen“ aufgerufen.

Die extreme Rechte modifiziert ihre Ideologie jedoch nicht nur, indem sie ihre eigenen Codes und Begriffe erschafft: Wenn sie sich etwa scheinbar positiv auf „Direktdemokratie“ bezieht, tarnt sie sich nicht nur als moderat, sondern wirkt zugleich daran, das allgemeine Verständnis von Demokratie umzudeuten. Es ist die Verkrustung der ideologischen Struktur selbst, die zugleich eine gewisse Offenheit und Situationselastik gewährleistet. Denn die Eingeweihten wissen ohnehin stets was gemeint ist, ganz nach dem Schema sich unbekannter Männer, die an der Bar ein Gespräch beginnen: „Die Frauen!“ Zunicken. „Ja, die Frauen!“ Dialog Ende. Damit ist alles gesagt. Die Gemeinschaft, stets die Familie darin imitierend, ein emotionaler und kein funktionaler Zusammenhang zu sein, versteht sich eben bzw. meint dies zu tun. Sie begreift ihr Sprechen nicht als Ausdruck ihrer eigenen Obsession – weshalb sie auch ihrer Propaganda, selbst wenn sie diese bis zum Erbrechen wiederkäut, nicht müde wird.

Faschistoide Sprache ist jedoch noch auf eine grundlegendere Art und Weise bereits gewaltsam, insofern sie nicht auf (wechselseitige) Verständigung bzw. (sich) Verstehen ausgerichtet ist, sondern auf Einordnung bzw. Unterwerfung. So kreist sie um den eigenen Affekt, und kennt dabei nur das Außen und das Innen. Dazwischen gibt es kein „Wir“ mehr im eigentlichen Sinne, nämlich dem einer zwischenmenschlichen Bezogenheit unterschiedlicher Individuen. Es gibt nur das Massen-„Wir“ der Ich-Auflösung und des Gleichtaktes. Auch werden die Zeichen nur bedingt durch Stringenz oder Logik zusammengehalten. Darum braucht es die Figur des (ohnehin real zumeist abwesenden) „Führers“. Er ist weniger zum Führen da, denn als Garant für die symbolische Ordnung an sich. In diesem Sinne erweisen sich einerseits Sprachhandlungen (der Gruß, das Versprechen, der Befehl, die Denunziation) sowie ein Primat der Bilder und Symbole als zentral. Es ist schließlich der Krieg, in dem die Verallgemeinerung des Befehls als sprachliche Form ihren Höhepunkt findet. Und es ist umkehrt die Idee des permanenten Krieges (Leben als Kampf), die immer schon die faschistoide Sprache durchzieht.

Es wird Zeit, sich bewusst zu werden, dass ein „Aufwind im rechten Lager“, wie es etwa der Leiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BVT), Peter Gridling, etwas verblümt ausdrückte, vor allem mit einem einhergeht: der Freisetzung des im Rechtsextremismus angelegten Gewaltpotenzials – sei diese virtuell oder „real“.

 

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Fußnoten:

[1] Georg Seeßlen: Das zweite Leben des „Dritten Reichs“. (Post)nazismus und populäre Kultur. Teil 2. Berlin, 2013, 176.

[2] Janine Chasseguet-Smirgel: Das Ichideal. Psychoanalytischer Essay über die „Krankheit der Idealität“. Frankfurt a. M., 1987, 86.

[3] Helmut Dahmer: Ideologiekritik – gestern und heute. In: Widerspruch. Münchner Zeitschrift für Philosophie. 2009, Nr. 50, 29.

[4] Sigmund Freud: Konstruktionen in der Analyse. Studienausgabe. Ergänzungsband. Frankfurt a. M., 1975, 405.

[5] Andreas Peham: Rassistische Gemeinschaft 4.0. Zur virtuellen Massenbildung gegen Geflüchtete. [In Erscheinung].

[6] Guy Debord: Die Gesellschaft des Spektakels. Hamburg, 1978, 4.

[7] Dahmer 2009, 29.

[8] Ebend.

[9] Georg Seeßen/Markus Metz: Hass und Hoffnung. Deutschland, Europa und die Flüchtlinge. Berlin, 2016, 9.

[10] Konrad Ehlich: Über den Faschismus sprechen. In: Ders. (Hg.): Sprache im Faschismus. Frankfurt a. M., 1989, 20.

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Bei den »Identitären« ist Heimatliebe nicht nur Männersache

Judith Götz im Gespräch über die Bedeutung der völkisch nationalistischen Strömung und ihr Frauenbild

Von Nina Böckmann und Fabian Hillebrand erschienen in Neues Deutschland vom 16.6.2017

In ihren medienwirksamen Aktionen greifen die völkisch nationalistischen»Identitären« nicht selten geschlechterpolitische Themen auf. Sie versuchen dabei einerseits Frauenrechte zu instrumentalisieren, andererseits werfen sie »den Linken« vor, nicht nur mit »Multikulti« sondern auch mit der Pluralisierung von geschlechtlichen Identitäten »Gleichmacherei« zu betreiben. Die Wissenschaftlerin Judith Götz beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit Frauen im Rechtsextremismus. Sie spricht von den »Identitären«, denn mit dem Begriff »Identitäre Bewegung« würden sich die Rechtsextremen nur größer machen wollen, als sie eigentlich sind. Mit ihr sprachen für »nd« Nina Böckmann und Fabian Hillebrand.

Die »Identitären« bezeichnen sich selbst als »Neue Rechte«. Bedienen sie tatsächlich ein anderes Frauenbild als die klassische Rechte?
Ich würde mit dem Begriff der »Neuen Rechten« vorsichtig umgehen. Es trifft zwar zu, dass die »Identitären« sich auf Theoretiker der sogenannten neuen Rechten beziehen. Sie beziehen sich aber genauso auf faschistische Theoretiker. Der Begriff der »Neuen Rechten« ist ein Stück weit eine euphemistische Selbstbezeichnung und Teil einer Normalisierungsstrategie. Die Bezeichnung wird genutzt, um sich als modernisierte und harmlosere Variante der Rechten darzustellen. Wenn man sich aber ihr Denken genauer ansieht, ihre Theoriebildung und ihre Ideologie untersucht, dann zeigt sich sehr deutlich, dass zahlreiche Elemente dem Rechtsextremismus und dem Neonazismus entnommen sind. Das spiegelt sich auch im Frauenbild wieder.

Inwiefern?
Das Geschlechterbild der »Identitären« ist sehr biologistisch. Es gibt bei Ihnen ausschließlich zwei Geschlechter, die komplementär und hierarchisch zueinander stehen. Das drückt sich in dem Credo »gleichwertig aber nicht gleichartig« aus. Die Vorstellung ist, dass Frauen und Männer von Natur oder von Kultur aus unterschiedlich seien und ihnen damit unterschiedliche Aufgaben in der Gesellschaft zufallen, die in ihrem Wesen begründet liegen.

Es gibt verschiedene Weiblichkeitskonzeptionen innerhalb der Gruppierung der Identitären. Da ist zum einen das Weiblichkeitskonzept der Mutter, die als Erhalterin des eigenen Volkes gesehen wird. Auch ihr Aufgabenbereich ist damit klar abgesteckt. Dann gibt es das Bild des sexualisierten Objektes. Hier geht es darum die Schönheit des eigenen Volks zu betonen. Das drückt sich in Parolen wie »zu schön für einen Schleier« aus. Solche Darstellungen der eigenen Aktivistinnen macht die Bewegung auch für Männer attraktiv. Dann gibt es noch das Bild der Gefährtin, die den Männern im Kampf gegen den großen Bevölkerungsaustausch, den sie imaginieren, als treue Begleiterin zur Seite steht.

Sie sagen, es gebe gewisse Faktoren, die die »Identitären« für Männer attraktiv machen. Was glauben Sie, macht die Gruppierung für Frauen attraktiv?
Ich glaube, dass für Frauen Erklärungsmuster greifen, die wir aus der klassischen geschlechterreflektierten Rechtsextremismustheorie kennen. Hier wird davon ausgegangen, dass selbst wenn eine Frau in der Gesellschaft Diskriminierung oder Benachteiligung erfährt, sie trotzdem durch den Anschluss oder die Einbindung in eine Dominanzstruktur einen psychischen Gewinn oder eine Aufwertung erfährt. Die Frauen erfahren also zwar einerseits Diskriminierung, können aber gleichzeitig Diskriminierung gegenüber anderen ausüben. Es geht also um einen Ausgleich der eigenen Diskriminierungserfahrungen.

Lässt sich eine Position der »Identitären« bezüglich verschiedener sexueller und geschlechtlicher Orientierungen ausmachen?
Zu Homosexualität lassen sich verschiedene Positionen ausmachen, wobei hier in erster Linie die männliche Homosexualität verhandelt wird. Die bisherigen Ergebnisse meiner Untersuchungen sind, dass es ein sehr breites Spektrum an unterschiedlichen Positionen innerhalb der »Identitären« gibt: Einerseits eine starke Ablehnung von Homosexualität, also klassische homofeindliche Positionen gegen Diskriminierungsschutz, Adoptionsrechte, Ehe für alle und mehr. Andererseits finden wir aber auch positive Bezugnahmen auf Homosexualität, nämlich dort, wo sie ebenso wie Frauenrechte instrumentalisiert werden für antimuslimischen Rassismus.

Wie drückt sich das aus?
»Identitäre« in Thüringen haben beispielsweise bei einer öffentlichen Aktion eine Hinrichtung von homosexuellen Menschen im Islam dargestellt. In einem Begleittext hieß es sinngemäß, dass wer homosexuelle Menschen diskriminiert, in unserer Gesellschaft nichts verloren habe.

Es gibt aber noch eine dritte Position zu Homosexualität aus Bezugnahmen auf Jack Donovan, einem wichtigen Theoretiker für die »Identitären«. Donovan ist Schriftsteller und Bodybuilder. In seinem Buch »Der Weg der Männer« führt er aus, dass Homosexualität nicht an sich verwerflich ist, sondern dass das Problem eigentlich nur die verweiblichte und verweichlichte Homosexualität ist. Solche Männer hätten das schlimmste Verbrechen begangen, sich nämlich mit den Feministinnen eingelassen. Feministinnen wollen ihm zufolge Männlichkeit abschaffen, deswegen seien sie der größte Feind. Solche Homosexuellen führten letztlich dazu, dass es keine wehrhaften Männer mehr gibt. Im Gegensatz dazu wird eine homosexuelle Hypermaskulinität durchweg als etwas Positives verhandelt. Denn das seien ja noch richtige Männer, die sich wehren können.

An diesem Samstag demonstrieren die »Identitären« in Berlin. Was könnten Ihrer Meinung nach Strategien gegen ihre Aktionen sein?
Grundsätzlich finde ich, dass Aktionen gegen die »Identitären« so funktionieren sollten, dass ihre Störungs- und Vereinnahmungsversuche nur die Vorshow der eigentlichen Veranstaltung sind. Sie sollen nicht die Hauptbühne bekommen, sondern eben nur der Voract zu dem sein, was wir selber machen. Gleichzeitig finde ich es ganz wichtig, ihre Denkmuster zu erkennen und zu entlarven. Nach wie vor ist die Ansicht weit verbreitet, dass die »Identitären« eine harmlosere Variante rechter Politik darstellen als die alten Neonazis. Die von Ihnen beispielsweise propagierte Gewaltfreiheit nehmen ihnen viele Menschen ab, obwohl sich die »Identitären« immer wieder durch Gewalttaten hervortun. Erst vor wenigen Tagen haben sie in Halle am Uni-Campus Studierende angegriffen. Ein Großteil ihrer Aktionen hat einen strukturell sehr gewaltförmigen Charakter, wenn man daran denkt, dass sie Theaterstücke gestürmt haben, bei denen Geflüchtete auf der Bühne standen. Für die Geflüchteten war das traumatisch.

Genügen denn Protestaktionen, um den »Identitäten« den Wind aus den Segeln zu nehmen?
Für mich ist es wichtig, daran zu arbeiteten, ihren eigentlichen Charakter offenzulegen und gleichzeitig nicht permanent ihre Selbstinszenierungen zu reproduzieren. Sei das jetzt dadurch, dass Medien ihr Bildmaterial wiederverwenden oder ihre Sprache aufgreifen. Die »Identitären« sind sehr bemüht darum, ihren eigenen Sprachgebrauch in der Öffentlichkeit zu reproduzieren. Das ist Teil ihres metapolitischen Konzepts. Deshalb müssen wir da ganz vorsichtig sein. Und anstatt über jeden ihrer Versuche zu berichten, Aufmerksamkeit zu bekommen, sollten wir eher inhaltlich-analytische Auseinandersetzung betreiben, in der wir tatsächlich Kritik gewährleisten und nicht einfach nur der Selbstinszenierung der »Identitären« auf den Leim gehen.

Judith Götz ist Literatur- und Politikwissenschaftlerin und Mitglied der Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit sowie des Forschungsnetzwerks Frauen und Rechtsextremismus. Im Herbst 2017 erscheint der von ihr mitherausgebene Sammelband »Untergangster des Abendlandes. Ideologie und Rezeption der rechtsextremen ‘Identitären’«.

 

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