Rechtsextremismus: Problem und Forschungsobjekt

Buchpräsentation und Publikumsdiskussion mit den Herausgeber_innen

So erfolgreich und wandelbar die extreme Rechte, so überschaubar ist die kritische Rechtsextremismusforschung (auch) in Österreich. Anlässlich der Präsentation des Buches „Rechtsextremismus. Entwicklungen und Analysen“ diskutieren Autor_innen und Herausgeber_innen mit Stefanie Mayer ideologische Grundlagen und aktuelle Entwicklungen der extremen Rechten, ihre Akteur_innen, Kritik an der Mainstream-Forschung und politische Gegenstrategien.

Mittwoch, 10. Dezember 2014, 19.00

Depot, Breite Gasse 3
1070 Wien (depot.or.at)

Podium:

Stefanie Mayer, Politikwissenschafterin (Institut für Politikwissenschaft)

Matthias Falter, Politikwissenschafter (FIPU, Mitherausgeber)

Carina Klammer, Soziologin (FIPU, Mitherausgeberin)

Elke Rajal, Politikwissenschafterin (FIPU, Mitherausgeberin)

Bernhard Weidinger, Politikwissenschafter (FIPU, Mitherausgeber)

Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit (FIPU) (Hg.in): Rechtsextremismus. Entwicklungen und Analysen – Band 1. Wien: Mandelbaum, 2014. Weitere Informationen zum Buch unter https://forschungsgruppefipu.wordpress.com/2014/09/11/buchaviso/

Wien-Köln-Weimar: Böhlau 2014. Hardcover, ca. 640 Seiten.
Wien-Köln-Weimar: Böhlau 2014. Hardcover, ca. 640 Seiten.

Debatten über Burschenschaften in Österreich haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten an Umfang und Schärfe gewonnen. Zahlreiche Einlassungen sind reich an Mythenpflege oder Polemik, aber arm an Kenntnissen über die Materie. In seiner zur Publikation überarbeiteten Dissertation, deren Buchwerdung durch eine Förderung des österreichischen Wissenschaftsfonds (www.fwf.ac.at) ermöglicht wurde, erörtert Bernhard Weidinger (FIPU) die Rolle akademischer Burschenschaften im politischen Geschehen der Zweiten Republik. Basierend auf der Auswertung von umfangreichem, bislang von kritischer Forschung nicht erschlossenem Quellenmaterial behandelt er eine Vielfalt an Aspekten: von der Restauration des deutschnationalen Verbindungswesens nach 1945 über den burschenschaftlichen Umgang mit der NS-Vergangenheit bis hin zum Einfluss der Verbindungen auf die Entwicklung der FPÖ. Das burschenschaftliche Weltbild beschreibt Weidinger als durch deutsch-völkischen Nationalismus und ein spezifisches, quasi-soldatisches Männlichkeitsbild geprägt. Burschenschaften erscheinen in seiner Darstellung letztlich als anachronistisches Kuriosum und politisch hochrelevant zugleich.

Das Buch erscheint voraussichtlich im November 2014.

Der Autor: Bernhard Weidinger, Studien der Politikwissenschaft und der Internationalen Entwicklung in Wien und Granada, DOC-Stipendiat der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 2010-2012, Visiting Scholar am Center for Right-Wing Studies der University of California at Berkeley 2013. Twitter: @bweidin

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Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit (Wien)
Rechtsextremismus
Entwicklungen und Analysen – Band 1

So erfolgreich die extreme Rechte, so überschaubar ist die kritische Rechtsextremismusforschung. Vor dem Hintergrund von Vereinzelung und geringer Institutionalisierung legt die seit 2011 bestehende Wiener »Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit« mit diesem Sammelband eine Bestandsaufnahme vor und gibt Impulse für weitere notwendige Arbeiten.
Die Beiträge behandeln eine breite Themenpalette – von der Kritik an der Mainstream-Forschung und ihrem begrifflichen Instrumentarium bis hin zu gängigen Auslassungen (wie Sexismus und Antifeminismus), von zentralen Akteur/innen der extremen Rechten bis hin zu einschlägigen Feindbildern, von der Kritik des Verfassungsschutzes bis hin zur kritisch-solidarischen Reflexion von Gegenaktivitäten anhand der Proteste gegen den Wiener WKR- bzw. Akademikerball. Abgerundet wird der Band von einer Chronologie rezenter rechtsextremer Vorfälle.

Der Band ist Auftakt zu einer Reihe kritischer Auseinandersetzungen mit Ideologien und Politiken der Ungleichheit.

big_9783854766377

250 Seiten
Format 12 x 19
englische Broschur
19.90 €
ISBN: 978385476-637-7

Rezension von Stefanie Mayer aus MALMOE #69 (Dezember 2014) siehe hier.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort – [Überraschung]

Einleitung – FIPU

Kritische Rechtsextremismusforschung

Rechtsextremismusforschung in Österreich: Personen, Institutionen, Zugänge und Defizite. Ein geraffter Überblick
Bernhard Weidinger

(Re)Naturalisierungen der Geschlechterordnung. Anmerkungen zur Geschlechtsblindheit der (österreichischen) Rechtsextremismusforschung.
Judith Goetz

Zwischen Kritik und konservativer Agenda: eine Verteidigung des Rechtsextremismusbegriffs gegen seine Proponent*innen
Bernhard Weidinger

AkteurInnen

Teil des Problems? Der österreichische Verfassungsschutz und Rechtsextremismus
Matthias Falter

„National und liberal verträgt sich nicht“. Zum rechtsextremen Charakter der FPÖ
Heribert Schiedel

Ideologien

Vom Reden über „Islamophobie“, dem Streiten über Antisemitismus und dem Schweigen über Rassismus. Zur notwendigen Kritik der „Islamophobie“-Forschung
Carina Klammer

Obdachlosen-Hass und BettlerInnen-Feindlichkeit in Österreich
Lucius Teidelbaum

Reflexion antifaschistischer Praxis

Ausgetanzt! Eine kritische Bilanz der Proteste gegen den WKR-Ball
Judith Goetz

Dokumentation

Unvollständige Chronik des Rechtsextremismus in Österreich 2013
Heribert Schiedel

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Bernhard Weidinger (2014). “… in order to Keep German Soil German”: Austrian Burschenschaften, Nationalist Ethnopolitics and the South Tirol Conflict after 1945 . Austrian History Yearbook, 45, pp 213-230.

© Cambridge University Press (2014)

ABSTRACT: Burschenschaften , as a particular type of German-nationalist (völkisch) student fraternity, have partaken in shaping Austrian politics in numerous ways since the nineteenth century. Acting as the standard-bearers of German nationalism in Austria after 1945 and being strongly represented in the ranks of the Freedomite Party of Austria (Freiheitliche Partei Österreichs/FPÖ), they have been able to maintain a degree of political relevance up until the present day—their intimate ideological, personal, and institutional entanglement with the National Socialist regime notwithstanding. Nonetheless, their history has so far almost exclusively been written by fraternity members themselves, and mostly in an affirmative, if not apologetic fashion; critical assessments for the post-1945 era in particular are limited to a small number of articles that, for the most part, are based on secondary literature rather than on primary sources.

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10. Deutschvölkischer Schutz- und Trutzbund

9. Deutscher Bund der Impfgegner

8. Buchhändlerischer Frakturbund

7. Deutscher Verein für vernünftige Leibeszucht

6. Archiv für innere Kolonisation

5. Tafelrunde „Deutsche Strandwacht“

4. Deutsch-arischer Ger-men-Bund für Kampf um Froheit (sic)

3. Wissenschaftliche Nacktloge A.N.N.A.

2. Irminsul. Verbindung für Deutschtum und Wissenschaft

1. Stammtisch „Teutomania“

Honorable mentions

– Wehrwolf. Bund deutscher Männer und Frontkrieger

– Deutschgläubige Gemeinschaft

– Deutscher Roland. Verein für deutsch-völkische Sippenkunde zu Berlin

(Alle aus: Uwe Puschner, Die völkische Bewegung im wilhelminischen Kaiserreich, Darmstadt 2001)

„Masculinism is the idiology that justifies and naturalizes male domination“

Zeit: Montag, 10. März 2014, 19h

Ort: Bibliothek von unten, Wipplinger Straße 23, 1010 Wien

Podiumsdiskussion mit Judith Goetz, Astrid Lipinsky, Masha Neufeld & Xüsha Urmenic.

Diskutiert werden globale Versuche der Verteidigung männlicher Privilegien durch Männerrechtsbewegungen in China, Russland,  Chile und Österreich.

Moderation: Jule Fischer

 Die Diskutant*innen:

Masha Neufeld forscht zu den Themen Biopolitiken, Alkohol und Geschlecht in Russland. Als Aktivistin beschäftigt sie sich vor allem mit der Frage, wie feministische und queere Diskurse und Praktiken zwischen Ost und West wandern und sich gegenseitig beeinflussen.

 

Xüsha Urmenic hat „Slawische Sprachen“ und „Kulturen Mittel- und Osteuropas“ in  Wien, Berlin und Moskau studiert und ist gelegentlich als  „Anti-Bias“-Fasilitatorin und Co-Koordinatorin queer_feministischer Projekte in deutsch- und russischsprächigen Räumen unterwegs.

 

Astrid Lipinsky hat eine halbe Professur zu Wirtschaft und Gesellschaft Chinas in Göttingen und eine halbe Stelle als Post-Doc-Assistentin an der Universität Wien.

 

Judith Goetz ist Politik- und Literaturwissenschaftlerin sowie Mitglied der Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit (www.fipu.at). Zu ihren Arbeitsschwerpunkten zählen Rechtsextremismus (und Geschlecht), Gedenkpolitik und Gedenkkultur in Österreich sowie feministische/frauenpolitische Fragestellungen.

 

Zur Zeitschrift:

Die Zeitschrift Frauen*solidarität erscheint seit 1982 vierteljährlich. Sie informiert über Frauen*rechte, Frauen*bewegungen und Frauen*kultur in den Ländern des Südens und reflektiert das Nord-Süd-Verhältnis aus feministischer Sicht.

Vortrag: Kameradinnen und braune Schwestern – Frauen im österreichischen Rechtsextremismus

Diese Veranstaltung findet im Rahmen der Info-Kampagne “Facetten des Rechtsextremismus” statt. Das Ziel ist die Thematik Rechtsextremismus von mehreren Seiten zu beleuchten und einen diverses Diskurs in Gang zu setzen.

Wir, die GRAS Graz wie auch die Jungen Grünen in der Steiermark  freuen uns über dein Feedback!

Datum: Mittwoch, 20. November 2013 um 19:30
Ort: Heizhaus, HS 12.01 Karl Franzens Universität, Graz

Erreichbar mit den Buslinien 58 & 62 Station Mozartgasse

Vortrag und Diskussion mit Judith Götz

Auch wenn im medial verbreiteteten Bild des österreichischen Rechtsextremismus (immer noch) Männer dominieren, sind Frauen in den unterschiedlichen Spektren des Rechtsextremismus aktiv. In einem Vortrag mit anschließender Diskussion soll aufgezeigt werden, wie Männlichkeit und Weiblichkeit in der extremen Rechten hierzulande verhandelt werden und sich Frauenbilder und „weibliche“ Aktionsformen entwickelt haben. Dabei kann beispielsweise ein Re-Traditionalisierungstrend konstatiert und Anti-Gender-Mainstreaming als Brücke zwischen extremer Rechte und Konservatismus der Mitte erkannt werden. Gleichzeitig stabilisiert die Frauenpräsenz die rechte Szene, weil sie nicht nur nach Außen das Image verbessern, sondern auch leichter Eingang in zivilgesellschaftliche Bereiche wie Elternbeiräte, Vereine etc. haben.

JUDITH GÖTZ: Literatur- und Politikwissenschafterin, Lehraufträge an den Universitäten Klagenfurt/Celovec, Salzburg und Wien, Thematische Schwerpunkt: Rechtsextremismus, Gedenk- und Gedenkkultur sowie zu feministischen/frauenpolitischen Fragestellungen.

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Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich nach 1945

Vortrag von Judith Götz

26.11.2013, 19:45, NIG/Hörsaal 3, 1010 Wien

Die Geschichte des österreichischen Rechtsextremismus in der Zweiten Republik wird zu ihren Anfängen zurückverfolgt: von den ersten Versuchen neonazistischen Organisations(wieder)aufbaus in der Nachkriegszeit über den Südtirolterrorismus, den parteiförmigen Ansatz Norbert Burgers (Nationaldemokratische Partei), den gewalttätigen Aktionismus der 1970er (Aktion Neue Rechte) und die Wehrsportaktivitäten und konspirativen Organisierungsmodelle Gottfried Küssels bis hin zum Netzaktivismus des 21. Jahrhunderts.

Neben Veränderungen in den Formen der Organisierung und Propaganda wird auch inhaltlichen Entwicklungen, wie Veränderungen in derFeindbildstruktur oder der Spaltung in eine traditionelle, deutschnationale sowie eine Österreich-„patriotische“ Strömung Beachtung geschenkt.

Judith Goetz ist Literatur- und Politikwissenschafterin sowie Mitglied der Forschungsgruppe FIPU (http://www.fipu.at).

Infos unter

http://www.oeh.univie.ac.at/politik/antifa/

Der Diskurs um Antifeminismus und radikale Väterrechtler hat in den letzten Jahren noch weitgehend im Internet stattgefunden. In letzter Zeit findet der Diskurs zu diesen Themen aber zunehmend Platz in Mainstreammedien und in öffentlichen Veranstaltungen. In Linz referierten im Juni 2013 beispielweise die Literatur und Politikwissenschafterin Judith Goetz und Prof. Elisabeth Klaus von der Universität Salzburg zu den Themen „Antifeminismus und Männerbündelei“ (5.6) als auch zu „Antifeminismus  in und durch Medien“ (10.6).

Im folgenden Beitrag hören sie Ausschnitte aus den beiden Veranstaltungen.

Antifeminismus und Männerbündelei