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Von der „Reinheit“ zur „Einheit“ – Geschlechterdilemma und Nationalsozialismus

Ein Bericht von der Buchpräsentation „Geschlechter- und Sexualitätsentwürfe in der SS-Zeitung Das Schwarze Korps. Eine psychoanalytisch-sozialpsychologische Studie“ mit dem Autor Sebastian Winter an der Sigmund Freud Privatuniversität (SFU) am 4. November 2013.
Von Carina Klammer

Wer das erste Mal die SFU betritt würde sich vielleicht etwas anderes erwarten. Weniger Mäuse in den Gängen zum Beispiel. Und mehr Psychoanalyse in den Lehrplänen. Nichtsdestotrotz hat es die Arbeitsgruppe Kritische Sozialpsychologie mit ihrer Einladung von Sebastian Winter geschafft einige Interessierte anzulocken.
Winter hat sich im Rahmen seiner Dissertation den Geschlechter- und Sexualitätsentwürfen in der SS-Zeitung Das Schwarze Korps (SK) gewidmet. Einer Zeitung die, obwohl sie in relativ hoher Auflage erschienen ist, doch relativ wenig beforscht wurde. Im Jahr 1939 umfasste ihre Auflage über eine Million Exemplare und sie avancierte zur zweitgrößten Wochenzeitung Deutschlands. Ihre Leser*innenschaft musste sich somit weitläufig über die SS-Mitglieder und deren Angehörigen erstreckt haben. Zudem wurde sie in Schaukästen öffentlich ausgehangen. „Die diversen Reklameanzeigen für Geschirr, Stoffe oder etwa Damenbekleidung lassen darauf schließen, dass die Zeitschrift auch von Frauen gelesen wurde“ leitet Winter seine Thematisierung der Geschlechterverhältnisse ein bevor wir einen Überblick über das Buch erhalten.
Methodisch wäre es schnell ein wenig öde geworden. In seiner Wohnung stapelten sich die Ausgaben des SK, aber „irgendwann hat man das Prinzip, dann wiederholt es sich nur mehr“. Das läge natürlich auch an der NS-Ideologie selbst, ihrem Ticketdenken und ihrer verarmten Sprache. Zum theoretischen Verhältnis von Volk, Geschlecht und Antisemitismus gäbe es hingegen noch einige Fragen. Dies spiegelt sich auch in dem satten Theorieteil wider, der ein Drittel des 441 seitigen Buches umfasst. „Die psychoanalytischen KlassikerInnen gingen zunächst alle von Spaltungen und Projektionen aus, die im Laufe der männlichen Subjektgenese entstanden“. Dies betrifft vor allem die Verdrängung weiblich konnotierter Anteile (verweiblichter Jude) sowie den Hass auf die väterliche Autorität (der patriarchale Jude). Unsichere Männlichkeiten würden in mangelnden Abgrenzungsprozessen zur Mutter gesehen (vgl. Grunberg) oder seien im Gegenteil zu hart ausgefallen, weshalb der Antisemitismus primär als Bestandteil des misogynen Männerbundes erschiene (vgl. Theweleit, Mitscherlich). Adorno und Horkheimer analysierten hypervirile Männlichkeit als Autonomie, die in ihrem Größenwahn in ihr Gegenteil umschlägt und sich in der Massenbindung auflöst. „Die Antisemitinnen sind hierbei durchgängig aus dem Blick geraten“ konstatiert Winter. „Auch finden neuere Arbeiten aus der feministisch-psychoanalytischen Forschung kaum Einzug in die Antisemitismusforschung.“ Dies beträfe auch die Relevanz der frühkindlichen Entwicklung im Rahmen des Sozialisationsprozesses sowie den Stellenwert der Mutterrolle. Angesichts der androzentrischen Grundannahmen bliebe jedoch fraglich, welche projektiven Prozesse spezifisch für Frauen attraktiv waren. Bis heute bestünde die Annahme, dass Frauen primär aus Angst und Schwäche Hitler zugejubelt hätten, nicht jedoch aus eigener Überzeugung. Zudem zerfiel der Antisemitismus nicht in „zwei Hälften“. Texte, wie jenes des SK, waren für Männer und Frauen gedacht. Hinzu käme, dass mit Beginn des 20. Jh. auch die antisemitischen Darstellungen von Jüdinnen (wie etwa das Bild der „schönen Jüdin“) zunehmend verschwanden. So bleibt Winter zunächst bei dem Verweis auf bestehende Theorie-Lücken. Anhand des SK hätte sich jedoch gezeigt, dass Fragen wie: „Schwächte oder verschärfte sich die Geschlechterpolarität im Nationalsozialismus?“, „Wurden im Antisemitismus verdrängte Attribute des Weiblichen oder des Männlichen abgespalten?“, „War die Sexualmoral des NS regressiv oder permissiv?“ auf eine Problematisierung genau dieses „oder“ hinausliefen.

In Bezug auf die Geschlechter- und Sexualitätsentwürfe des NS werde nach wie vor gerne übersehen, inwiefern sich diese nicht nur als Zuspitzung bestehender Vorstellungen und Ideale entwickelten, sondern auch als Versuch deren Spannungen aufzulösen. Die 68er-Bewegung sah ihre Kämpfe für sexuelle Befreiung noch in engem Zusammenhang mit den repressiven Nachwirkungen des Faschismus. Es stellt insofern eine besondere Ironie dar, dass besonders die 68er- und die Freikörperkultur-Bewegung trotz ihrer progressiven Intention wenig reflektierten, inwiefern sie auch von Körper- und Sexualitätsbildern geprägt wurden, die sich im NS etabliert hatten. Das Bild des sexualitätsfeindlichen NS entwickelte sich nicht nur aus einer Verallgemeinerung der Politik der „Rassenschande“, auch anhand des Bildes der NS-Frau als Mutter wurde angenommen, dass die Ideale der bürgerlichen Kleinfamilie im NS schlichtweg übernommen wurden. Die NS-Ideologie knüpfte aber weder bruchlos an die christliche Moral- und Verbotslehre, noch an die bürgerliche Sittsamkeit an.
Winter veranschaulicht dies anhand einer Doppelseite aus dem SK. Eine Seite trägt die Überschrift „Geschäft OHNE Scham“. Wir sehen verschiedene Bilder von spärlich bekleideten Varietétänzerinnen, u.a. Josephine Baker. Die andere Seite wurde mit „SCHÖN UND REIN“ betitelt und zeigt nackte Frauen inmitten von landschaftlicher Idylle. Das SK versuchte zu vermitteln: Prüde Moralapostel wären sie nicht, aber: Nacktheit wäre nicht gleich Nacktheit. Winter richtet sich an das Publikum: „Aber, warum sollen wir so sein wollen? Und nicht so?“, und zeigt auf die Tänzerinnen. Schmunzeln im Publikum. Ja, warum eigentlich? Erste Antworten: „Das eine ist künstlich, artifiziell, das andere in der Natur.“ Auch der antisemitische Gehalt der Darstellung wird schnell decodiert: An der Objektivierung der Frau wäre der geschäftemachende Jude schuldig. „Prüderie und die daraus resultierenden Lüsternheit wurden in engen Zusammenhang begriffen und jeweils verworfen“, fährt Winter fort. Vielmehr bräuchte es eine Aufklärung ohne „Moralgefasel“, die Sexualität als etwas „unschuldiges“, ganz „natürliches“ darzustellen habe. Winter vermerkt, dass ihn selbst überrascht hätte, wie häufig die Figur des „lüsternen Priesters“ im SK aufgegriffen wurde.

Der NS begriff sich selbst als umfassende Erneuerungsbewegung zur Wiederherstellung von „Gesamtheit“, „Reinheit“ und „Klarheit“. Dualismen, Zersplitterung und Ambivalenzen sollten sich wieder im „harmonischen Ganzen“ fügen: Der Gegensatz von Natur und Kultur, Körper und Geist sowie Subjekt und Objekt. So wird auch eine Vorstellung der Geschlechter im Sinne ihrer fundamentalen Verschiedenheit im NS verworfen. Analog dazu wurde auch die tradierte Aufspaltung der Frau in „Heilige“ und „Hure“ nicht mehr den Geschlechtern selbst, sondern ihrer Verjudung zugeschrieben. Somit wandte sich das SK vordergründig gegen die Verachtung des Weiblichen. Die „Kameradin“ solle neben den Männern stehen, nicht hinter diesen. Zwar blieb diese Vorstellung stets mit Mütterlichkeit verknüpft, aber der NS verschob zugleich die bürgerlichen Grenzen von Öffentlichkeit und Privatheit auf fundamentale Weise. Mütterlichkeit drückte in ihrem Kern nicht mehr die weibliche Passivität und das „Heimchen am Herd“ aus, sondern wurden zur aktiven „Muttermacht“. Eine Mütterlichkeit die über das Kind nicht mehr das Begehren zum (komplementären) Mann, sondern die eigenständige Liebe zum „Volk“ ausdrückte. Auch Fragen zu Ehe und Scheidungsrecht wurden im NS durchaus offen diskutiert. Für Frauen, die über ihre Sexualität für gewöhnlich das Deckmäntelchen der Liebe streifen mussten um Gefühle der Scham zu überwinden, stellte dies durchaus ein verändertes Identifikationsangebot dar.

Im SK zeige sich, dass es die Gräben des Geschlechterverhältnisses selbst sind, die den Bestrebungen der NS-Ideologie zutiefst widerstreben. Erotische und sexuelle Spannungen gelte es aufzulösen, die Zerstörung der Einheit durch den „Geschlechterkampf“ abzuwenden. Sexualität im NS wurde weder einfach freigesetzt, noch geleugnet oder verdrängt. Sie wurde desexualisiert. Zum natürlichen Akt verkommen und all ihrer Liebe, Leidenschaft und zwischenmenschlichen Erotik entleert wird sie zur „sauberen Sache“ und für den Erhalt der „Volksgemeinschaft“ funktionalisiert (vgl. auch Adorno, Horkheimer und Marcuse). In diesem Sinne könne von einer „Verleugnung der Differenz durch die Differenz“ gesprochen werden.
Vor allem der Wunsch nach Angleichung der „arischen“ Körper von Männern und Frauen – wie sie etwa in jenen Steinplastiken zum Ausdruck kam, die Männer und Frauen in ähnlicher Gestalt und Pose, kernig, nackt und Seite an Seite darstellten – führte NS-internen durchaus zu Kontroversen. Dies betraf auch die Körperpraxen selbst. Welche und wie viel sportliche „Ertüchtigung“ wäre für Frauen angemessen? Welche Mode gälte es zu pflegen? Vertrauter Gretchenzopf oder gar Bubikopf? Vor allem in der SS wurde die Einheit der Geschlechter gesucht, indem ihre Polarität aufrechterhalten, ihre Segregation jedoch äußerst kritisch betrachtet wurde. Das SK wandte sich so beispielsweise gegen andere NS-Organisationen und Schriften, die allzu überschwänglich dem Männerbund frönten. „Übertriebene Kameradschaft“ wurde vor allem für die Jugend als Einfallstor für „entartete“ Homosexualität betrachtet. Gleichzeitig argwöhnte der SK ebenso gegen die völkische Frauenbewegung und bekrittelte ihr Auftreten (wie bspw. das stramme und strenge marschieren im Bataillon) als widernatürlich. Dort, wo die Balance bzw. die Harmonie der Geschlechter ins Wanken zu geraten schien, wurde von ihrer Verjudung gesprochen. Nicht die jeweiligen verdrängten Anteile der Geschlechterdifferenz, sondern die Ambivalenzen der Geschlechterpolarität selbst wurden in den Schriften des SK auf die Jüdinnen und Juden projiziert, fasst Winter abschließend zusammen.
In der Diskussion hakt eine Studentin noch einmal zum Frauenbild des NS nach. Dieses hätte den konkreten Erfahrungen von Frauen aber doch auch grundlegend widersprochen. Vergewaltigungen durch SS-Männer wären geradezu alltägliche Praxis geworden und Frauen blieben aus Machtpositionen ausgeschlossen. Winter nickt zustimmend. „Aber gerade weil die NS-Ideologie und ihre Einheits-Ideale im Widerspruch zu ihrer Wirklichkeit standen, spitzte sich die Projektion als Verarbeitung dieser Gegensätze immer weiter zu.“

Nach dem Vortrag wird noch über dieses und jenes geplaudert. Die Diskussion wäre nicht so sophisticated gewesen, wie Winter erwartet hätte. Das Fachpublikum war zu diesem Thema tatsächlich spärlich erschienen und der Raum überwiegend mit Studierenden gefüllt. Später beginnen sich die Gespräche langsam zu verlaufen wie die Mäuse, die für ein letztes Schmunzeln sorgen. Die Uhr an der Wand im Klappzahlen-Design wäre schon vor Jahren stehengeblieben und der Umzug in ein neues Gebäude sei schon länger beschlossene Sache. Der Wunsch, eine Gedenktafel für die Opfer des Nationalsozialismus am zukünftigen Institutsgebäude der Sigmund Freud Universität anzubringen, solle jedoch noch für Kontroversen sorgen…

Sebastian Winter
Geschlechter- und Sexualitätsentwürfe in der SS-Zeitung Das Schwarze Korps. Eine psychoanalytisch-sozialpsychologische Studie. Psychosozial-Verlag, 2013, 441 Seiten, € 49,90

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„Die Selbstverständlichkeit ist gestört“

Antifeminismus wird als Tabubruch inszeniert und von Medien begeistert aufgegriffen. Die Politikwissenschaftlerin Alexandra Weiss will Spaltungstendenzen mit einer notwendig solidarischen Politik begegnen. Ein Interview von JUDITH GOETZ

an.schläge 2013, Juli/August 2013

http://anschlaege.at/feminismus/2013/06/die-selbstverstandlichkeit-ist-gestort/

an.schläge: In der Auseinandersetzung mit Antifeminismus werden die Begriffe „Maskulinismus“ und „Maskulismus“ immer wieder synonym verwendet. Welche Vorteile bringt eine solche Begriffsdifferenzierung?

Alexandra Weiss: „Maskulismus“ ist eine Selbstbezeichnung von Aktivisten der Männerrechtsszene und wurde in Abgrenzung zum „Maskulinismus“ eingeführt. Die Intention ist eine Kritik am oder vielmehr ein Angriff auf den Feminismus, da sich Männerrechtler ja als Opfer eines „überzogenen“ Feminismus und einer „einseitigen“ Geschlechterpolitik betrachten. „Maskulinismus“ ist hingegen ein Begriff aus der feministischen Theorie, der eine politisch, symbolische und ideologische Übersteigerung von Männlichkeit, eine Herrschaftsstruktur und eine Ideologie der (natürlichen) Dominanz von Männern über Frauen bezeichnet. Insofern macht eine Differenzierung der beiden Begriffe Sinn, weil sie mit einer bestimmten Positionierung verbunden sind.

Seit einiger Zeit wird in journalistischen und wissenschaftlichen Kontexten eine Krise der Männlichkeit(en) als Erklärungsmuster für aktuelle Entwicklungen beschworen. Auf welche Männlichkeit(en) bezieht sich die Rede von der „Männlichkeitskrise“?

Diskurse über eine „Krise der Männlichkeit“ tauchen im Kontext von tiefgreifendem gesellschaftlichen Wandel immer wieder auf und sind insofern nicht neu, ebensowenig wie die Verschränkung mit der Rede über die negativen Folgen für die Gesamtgesellschaft. Komplexe ökonomische, soziale und politische Transformationen werden als Folge von Feminismus und „egoistischer“ Frauenemanzipation umgedeutet.

Ich denke, dass der Diskurs um die „Männlichkeitskrise“ weitgehend ein Mittelschicht-Phänomen ist, also eine Krise bürgerlicher, weißer Männlichkeit – auch wenn man beobachtet, in welchen Medien sie vor allem rezipiert wird. Männer in qualifizierten Positionen fühlen sich durch die nachziehenden und ebenso gut qualifizierten Frauen bedroht. Gerade im öffentlichen Dienst gibt es seit geraumer Zeit Gleichstellungsmaßnahmen, die – wenn auch langsam – Wirkung zeigen. Insofern ist es kein Wunder, dass sich insbesondere Wissenschaftler und hochqualifizierte Männer in diesem Diskurs engagieren – die Selbstverständlichkeit der Reproduktion des männlichen Wissenschaftsbetriebes ist gestört. Ähnliches können wir auch bei der Diskussion um Quoten für Aufsichtsräte beobachten, wenngleich das noch weitgehend rein männliche Räume sind. Die Politik ist hingegen ein Feld, das sich für Frauen und homosexuelle Männer geöffnet hat. Hier hat ein Strukturwandel stattgefunden, die Rede von der Krise verweist also vielmehr auf einen Abwehrmechanismus, der die gefährdeten Positionen absichern soll.

Welche Gründe sehen Sie für den antifeministischen Backlash der letzten Jahre und das Erstarken männerrechtsbewegter Gruppen?

Konservative männer- und väterrechtsbewegte Gruppen erhalten angesichts der Krise verstärkt mediale Aufmerksamkeit, weil sie Antifeminismus als Tabubruch inszenieren. Insbesondere das Thema „Väterrechte“ hat eine breite Anschlussfähigkeit. Dabei spielt auch die Veränderung von Medienorganisationen eine Rolle: Zum einen sind sie Unternehmen geworden, die auf „Kapitalversorgung“ durch Unternehmen und Institutionen angewiesen sind. Zum anderen stehen sie heute unter einem verschärften Konkurrenzdruck. Auch sogenannte Qualitätsmedien entfernen sich immer deutlicher vom Ideal der „Information von StaatsbürgerInnen“ und setzen vermehrt auf Unterhaltung. Das geht mit einer Zunahme der Skandalisierungskommunikation einher, in der geschlechterpolitische Fragen im Stil eines Ringkampfes inszeniert werden – eine ernsthafte Auseinandersetzung ist damit kaum intendiert.

Inwiefern tragen die durch die Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise bedingten Veränderungen zur Stärkung antifeministischer Politiken bei?

Die Krise ist ein wesentlicher Auslöser dafür, dass die „Männlichkeitskrise“ verstärkt rezipiert wird und antifeministische Positionen mehr Gehör finden – sie hat sich in den letzten Jahren drastisch verschärft. Zunehmend sind auch Männer von atypischer Beschäftigung betroffen, die seit Jahren sinkenden Löhne sind auch für immer mehr Männer keine „Familienlöhne“ mehr, prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse dehnen sich auf Männer aus.

Vor dem Hintergrund dieser Erschütterungen soll die Familie ein von Frauen herzustellender Ort der Sicherheit sein, Frauen sollen quasi als „Sozial-Puffer“ den Rückzug des Staates aus der sozialen Verantwortung abfedern. Angesichts der steigenden Arbeits-marktintegration von Frauen und auch, weil Existenzsicherung mit nur einem Einkommen kaum zu machen ist, kann das nicht mehr gelingen. Diese Anforderungen an Frauen sind widersprüchlich und auf individueller Ebene nicht zu lösen.

Was macht den Antifeminismus heute so anschlussfähig und populär?

Antifeministische Denkmuster können in unseren von Individualisierung, Entsolidarisierung und Spaltungspolitiken geprägten Gesellschaften leicht Anschluss finden. Statt Gesellschafts- und Kapitalismusanalyse und -kritik wird eine einfache und monokausale Schuldzuweisung vorgenommen, deren Argumentation logisch und selbstverständlich klingt. Für die Bildungsmisere und zunehmende Gewaltbereitschaft ist dann die „Feminisierung der Erziehung“ verantwortlich und nicht verfehlte Arbeitsmarkt-, Ausbildungs- und Wirtschaftspolitik und die daraus resultierende Perspektivenlosigkeit ganzer Generationen. Der Geburtenrückgang ist auf die zunehmende Erwerbstätigkeit von Frauen und ihr Selbstverwirklichungsbedürfnis und nicht auf eine mangelhafte institutionelle Kinderbetreuung zurückzuführen usw.

Außerdem wird Gleichberechtigung in vielen populären Publikationen permanent als längst erreichtes Ziel dargestellt. Wir haben es, wie Angelika Wetterer schon vor zehn Jahren feststellte, mit einer widersprüchlichen Entwicklung zu tun: Während die geschlechtsspezifische Arbeits-teilung und die ungleiche Verteilung der unbezahlten Arbeit bestehen bleibt, verschwindet die Ungleichheit aus dem zeitgenössischen Wissen über die Geschlechterdifferenz. Sie ist nicht mehr als Ergebnis einer geschlechtshierarchischen Struktur thematisierbar. Anti-Emanzipatorische Männerpolitik hat Eingang in Regierungspolitik gefunden und die Position der Männer- und Väterrechtler gestützt.

Welche politischen Maßnahmen könnten den antifeministischen Entwicklungen entgegenwirken?

Ich denke, es geht hier nicht nur um einzelne Maßnahmen, sondern um eine grundsätzlich solidarische Politik, eine, die die Lebensbedingungen für alle Mitglieder der Gesellschaft lebenswert gestaltet. Antifeminismus ist, wie andere Spaltungspolitiken, eine Tendenz, die den Kern der Probleme unserer Gesellschaften verdeckt und traditionelle Herrschaftsstrukturen stützt. Um dem zu begegnen, braucht es nicht nur einen ausgebauten Sozialstaat, der das Konzept sozialer Inklusion um die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen und ImmigrantInnen erweitert und der angesichts der Veränderungen von Arbeitsverhältnissen den neuen Gegebenheiten anzupassen ist. Es braucht auch eine emanzipatorische Kulturpolitik. Politik kann nicht nur auf Maßnahmen, Gesetze, Ver- und Gebote setzen, sondern muss solidarische Werte vermitteln, sie lebbar machen. Sie muss also politische und soziale Teilhabe ermöglichen und unterstützen.

Alexandra Weiss ist Politikwissenschaftlerin und Koordinatorin des Bereichs Gender Studies im Büro für Gleichstellung und Gender Studies der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck.

Judith Goetz ist Politik- und Literaturwissenschaftlerin und Mitglied der Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit (www.fipu.at).

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Weder frei, noch wild: Deutschrock aus Norditalien*

von Heribert Schiedel

Die Erfolge der 2001 gegründeten Südtiroler Rechtsrockband Frei.Wild beweisen einmal mehr, dass und in welchem Ausmaß das kulturindustrielle Produkt „Rock“ mit konformistischen bis autoritären Einstellungen verbunden werden kann. Im Falle der vier Prollrocker aus Brixen/Bressanone kommen völkisch-nationalistische Momente dazu. Das Rebellische erschöpft sich bei Frei.Wild weitgehend in Treuschwüren gegenüber Deutschland und Hass auf den italienischen Staat – als „fremde“ Herrschaft. Aus inneritalienischer Perspektive wirkt der subkulturell-rebellische Habitus der Band weniger aufgesetzt als von außen betrachtet: deutsch-völkischer Nationalismus hat in Italien tatsächlich etwas Oppositionelles.

Politik des „Unpolitischen“

Medien berichten immer wieder über die gewalttätige Neonaziskin-Vergangenheit des Sängers Philipp Burger (Kaiserjäger). Diese wird von diesem aber gar nicht verleugnet, sondern mit Stolz einbekannt. Während man sich in Statements oberflächlich von Nazis(mus) distanziert, werden in den Liedertexten die Ambivalenzen deutlich: „Keine Sage dieser Welt verzichtet auf ihren Held,/weil ein jedes Wesen dieser Welt sich selbst durch sie erhält./Wollte mein eigener Held sein, Stärke zeigen, ohne Rücksicht auf Verluste,/wobei ich damals nicht recht weit gedacht hab und auch wie heute nicht alles wusste./Das Bild von meiner Zukunft war ein Meisterwerk aus Farbe und hellem Licht,/(…)Man denkt und hofft zugleich, mir ging es damals doch recht gut,/das alleine ist die Kraft, die dich zum Kämpfer macht.“

Aber auch schon den öffentlichen Distanzierungen ist anzumerken, wie sie gemeint sind: Als Burger 2008 aus den rechtspopulistischen Südtiroler Freiheitlichen austrat, tat er dies laut Eigenbekunden „nicht etwa deswegen“, weil er „mit dem Parteiprogramm nicht einverstanden“ gewesen wäre, sondern um der Band nicht zu schaden. Im Interview mit laut.de nennt Burger sein Engagement in der Rechten lapidar einen „ziemlichen Schwachsinn, den ich da recht blauäugig angegangen bin“ – die Selbstkritik erschöpfts sich in der Feststellung, naiv gewesen zu sein. Wie bei allen rechten Pseudo-Distanzierungen vom (Neo-)Nazismus zieht sich auch bei Frei.Wild daneben das Muster der Relativierung durch. Die Abgrenzung vom „Extremismus von links und rechts“ relativiert sich nicht nur durch die Gleichsetzung von Unvergleichlichem, sondern auch durch ihre Oberflächlichkeit und Floskelhaftigkeit. Der Widerspruch zwischen den Lippenbekenntnissen der Kitschrocker und ihren Inhalten sticht auch den Rechten in die Augen. Felix Menzel kann ihn sich in Sezession 35/2010 nur mit der Knechtschaft durch das „politisch korrekte Management der Band“ erklären.

Gleich den Böhsen Onkelz, der „geilsten Band der Welt“, und anderen (vormaligen) Rechtsrockbands antworten Frei.Wild auf die Kritik an ihrer Rechtsorientierung mit der Feststellung, „unpolitisch“ zu sein, was einerseits eine reine Schutzbehauptung darstellt, andererseits tatsächlich der Selbstwahrnehmung entspringt. Denn die relevanten Bezugsgrößen der Rechtsrocker sind allesamt nicht politisch, sondern angeblich „organisch“ gewachsen und daher nicht verhandelbar. Auch der Patriotismus, dessen man sich rühmt, entstammt als vermeintlich natürlicher emotionaler Ausdruck von völkischer Gemeinschaft dem Vorpolitischen, darum muss man sich für ihn auch nicht rechtfertigen. Nur „Vollidioten“ würden in „Heimatliebe“ etwas Politisches sehen: „Wir haben immer gesagt,/dass wir das Land hier von Herzen lieben,/Balsam für die Seele, wie wir Euch damit provozieren./Ihr seid dumm, dumm und naiv, wenn Ihr denkt, Heimatliebe = Politik. (…)//Schaut Euch mal um: Das Paradies auf Erden liegt hier mitten in den Bergen,/jeder Volksmusikant/tritt live im Fernsehen auf,/singt über das gleiche Thema,/doch da fällt`s keinem auf./Das ist das Land der Vollidioten,/die denken, Heimatliebe ist gleich Staatsverrat,/wir sind keine Neonazis und keine Anarchisten,/wir sind einfach gleich wie Ihr, von hier.“

Jungmannrock

Schon mit der Wahl des Namens wollte man den emotionalen Bedürfnissen männlicher Adoleszenter gehorchen: es handle sich dabei um „zwei Wörter, die typisch für jugendliche Einstellungen sind“, so Bandführer Burger. Gleiches gilt für die Texte: Frei.Wild verbinden erfolgreich völkisch-deutschen Nationalismus mit männlich-pubertären Sehnsüchten, Ängsten und (Gewalt-)Inszenierungen. Diese gelungene Verknüpfung macht den Erfolg von Bands wie Frei.Wild maßgeblich aus.

Das Menschen- und Weltbild von Frei.Wild ist ein völkisch-biologistisches und pessimistisches. Einmal vergleicht man sich mit einem „Baum“, der „ohne Wurzeln (…) nicht bestehen (kann)“, das andere Mal wird der ewige „Kreislauf der Natur“ besungen. Wenn aber alles immer gleich bleibt, grundlegende Veränderung unmöglich ist, kann gesellschaftlich produzierte Wut nicht zur Kritik an den Verhältnissen sublimiert werden, sondern sich nur in unmittelbare Gewalt umsetzen. So zeichnet sich Frei.Wild wie alle Rechtsrockbands durch eine affirmative (Re-)Inszenierung von Gewalt aus. Der einzige Unterschied zu Neonazibands besteht im behaupteten reaktiven Charakter der Gewalt, gemeinsam ist ihnen die offen sadistische Komponente: „(…) Seh‘ deine freche Fresse, oho,/ich erkenne Dich.//Hast auf mich geschlagen,/warst einer dieser drei./Doch in fünf Minuten,/sind’s ja eh nur noch zwei.//Denn heut‘ verhaue ich Dich,/schlag Dir mein Knie in deine Fresse rein./Heut‘ vermöbel ich Dich,/Zähne werden fallen durch mich./Und ich tret‘ Dir in deine Rippen,/schlag mit dem Ellbogen auf Dich ein./Tut mir leid mein Freundchen,/aber Rache muss sein, die muss sein.//Jetzt liegst Du am Boden,/liegst in deinem Blut./Das Blut auf meinen Fäusten,/ich find‘ das steht mir gut.“

Dauernd signalisieren die Bergbauernrocker ihre Bereitschaft „zum Kämpfen“. Nach dem Vorbild der Urgroßväter erlauben sich die (Körper-)Panzer auf zwei Beinen dabei „keine Emotion“ und keine Zweifel am eigenen Sieg. Die narzisstische Größenphantasie steigert sich schließlich zu Allmachtsgefühlen: „Ich bin der Herr der Welt“. Es ist vor allem der gekränkte Narzissmus der jungen Männer, den sich Frei.Wild zu Nutze macht. Gegen deren Erfahrungen von Überzähligkeit, Schwäche und Beschämung setzt man die Phantasie, endlich mal auf der siegreichen Seite zu stehen: „sieger stehen da auf wo verlierer liegen bleiben/nein, du bist kein verlierer,/so schnell machst du dir nicht ins hemd./(…) angst jedoch die kennt ein jeder,/doch selten spürt sie wohl der jäger./rückzug fällt für dich nicht ins gewicht,/ist der feigheit verdammtes arschgesicht./you are the best – fuck the rest,/ du bist stärker als du denkst,/gehst nach vorn, nicht zurück,/eroberst selbstwertdasein nach und nach zurück./angriff, sturm, satz und sieg,/weils kein aufgeben für dich gibt,/wirst du am leben bleiben,/wird man sich vor dir verneigen,/wirst du zwar manchmal leiden,/aber auch stets du selber bleiben.“

Da die äußere Realität nicht immer allen erlaubt, sich als Sieger zu fühlen, flieht man in grandiose Wunschphantasien: „Hast du nie geträumt von 1000 Frauen, die dich alle lieben/Tief drin in dir, tief drin in dir, gibt’s eine Welt, gibt’s eine Welt, die gehört nur dir allein.“ In dieser besungenen Traumwelt sind die Straßen zudem „frei von Perversen und Chaoten“. Während im Tagtraum Frauen zu Tausenden einen anhimmeln, sind sie in der Realität eine Bedrohung für den Männerbund: „Er war dein freund du hast die Zeit mit ihm verbraucht/Er war dein freund und ihr habt viel gelacht/doch durch die Freundin die er hat ist eine Mauer entstanden/(…)Ist es wirklich so hat sie dich umerzogen/(…)so manches Bierchen zusammen gesoffen/Fast 100% die gleichen Entscheidungen getroffen/die selben Freunde und die selben Feinde/Wir und die anderen waren doch so was wie ne Gemeinde/(…)Dein leben lang waren wir deine Freunde und nicht sie/Das darfst du nie vergessen, vergiss das nie“

Der Männerbund wird durch nicht eingestandene Ängste zusammengeschweißt: „wir halten zusammen – Mann für Mann!“ Der Eintritt in die Gruppe gibt Sicherheit und Kraft – um den Preis der Entindividualisierung: „Einheit steht für vieles, steht für Macht/Freundschaft schweißt zusammen, gibt ihr Kraft/Doch wer ewig aus der Reihe tanzt und eigene Wege geht/Ist das schwächste Glied, das auf dem Looser-Teppich steht//Zusammen sind wir stark und hart wie Stein.“

Autoritäre Rebellion

„Patriotische“ Bands wie Frei.Wild und ihre Erfolge sind gleichermaßen Ausdruck wie Motor der rechten Fanatisierung Jugendlicher. Als deren Unterstrom ist eine neoliberale und konservative Hegemonie namhaft zu machen: Die konformistische „Generation Leistung“ hat die „Werte der Heimat“ verinnerlicht, ihre (Über-)Affirmation zieht sich demnach auch durch die Texte der Südtiroler Schmalzrocker. Man bezeichnet sich als „Christen“, beklagt, dass „Kreuze (…) aus Schulen entfernt (werden)“, träumt von „früheren Zeiten“ und behauptet, viel von „den alten Leuten“ lernen zu können. Die Rebellion bleibt auf antiitalienische Statements beschränkt. Provokant dichtete man etwa zur Fußball-WM 2006 die Fanhymne „Deutschland“:„Dieses Jahr holen wir uns den Pokal/Dieses Jahr, Dieses Jahr werden wir ganz oben stehn,/unsere Fahnen in der Hand,/unterstützen wir das Land/Dieses Jahr, Dieses Jahr Holen wir uns den Pokal/zusammen stürmen wir nach vorn/lasst uns den Titel holen, den Titel holen.“

Neben Deutschland eignet sich die verkitschte „Heimat“, verstanden als Dreieinigkeit von „Volk, Tradition und Sprache“ besonders gut für den Ersatzstolz ihrer „Söhne“. Als richtige „Patrioten“ dulden sie „keine Kritik an diesem heiligen Land“, das ihr „Leben“ ist. Die Frei.Wild-Hymne „Südtirol“ gipfelt in einem antiitalienischen Kampfschwur: „Südtirol, wir tragen deine Fahne,/denn du bist das schönste Land der Welt,/Südtirol, sind stolze Söhne von dir,/unser Heimatland, wir geben dich nie mehr her./Südtirol, deinen Brüdern entrissen,/schreit’s hinaus, dass es alle wissen,/Südtirol, du bist noch nicht verlorn,/in der Hölle sollen deine Feinde schmorn.“

Aber Frei.Wild kultiviert nicht nur pangermanistischen Nationalismus und Heimatkitsch, sondern auch und vor allem das Gefühl der kleinen Leute, dauernd Opfer von „penetrante(n) Meinungsmacher(n)“ zu sein: „Das dumme Volk ist schnell zufrieden/Werft uns noch mehr Scheiße vor, wir fressen sie schon“. Am Ende steht die Auflehnung, die wie stets vor allem eine kulturelle ist: „Weg mit dem Mist, den ihr uns vorwerft, es braucht ihn keiner“. Als ohnmächtige „Durchschnittsleute“ lästern sie gegen die da Oben, die „reichen Säcke“ oder „Schweine“, ein Ausweg aus der Malaise zeigt sich nicht. Diese spezifische Verbindung von Autoritarismus und Unterordnung mit Rebellion und Scheinaufstand ist das Erfolgsrezept auch von Frei.Wild. Anstatt sich auf die Frage zu beschränken, wie weit rechts außen die Band zu verorten ist, sollte sie als verquerer Ausdruck herrschender und gleichzeitig wild gewordener Normalität analysiert und kritisiert werden.

*Langfassung eines Artikels für den Rechten Rand (Nr. 129), veröffentlich anlässlich des frei.wild-Konzertes im Wiener Gasometer am 9. November 2012

Weitere Informationen:

AIB: „Frei.Wild“: Zwischen Kitsch und Subkultur

Publikative.org: Kein Frei.Wild!

Frei.Wild-Dossier der Antifa Meran(o)

egotronic: Die Band der Vollidioten

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Mölzers Opfergang

Dass – so die Darstellung des Wiener Polizeipräsidenten Pürstl – freiheitliche Funktionäre „kurz vor dem Ball [der Wiener FPÖ und völkischen Studentenverbindungen am 1. 2. 2013, Anm.] in ein Lokal außerhalb der Sperrzone essen gehen, obwohl sie wissen, dass Tausende unterwegs sind, die mit dem Ball nicht einverstanden sind“ und „nicht, wie [mit der Polizei, Anm.] ausgemacht, mit dem Taxi oder der U-Bahn auf den freigehaltenen Routen zur Hofburg fahren, sondern mitten durch die Demonstranten spazieren“, lässt sich möglicher Weise über den (in Studentenverbindungen geformten) Männlichkeitsentwurf der Betreffenden erschöpfend erklären. Eher die eigene physische Integrität aufs Spiel zu setzen als Ausweichmanöver zu vollziehen, ist immerhin zentraler Inhalt der Mensur als Erziehungsinstrument.

Was aber treibt andere freiheitliche Funktionäre  (Hans-Jörg Jenewein, Harald Vilimsky) an, einen jener Parteifreunde und Waffenbrüder (Andreas Mölzer) per atemloser Presseaussendung für „schwer“ verletzt zu erklären, nachdem ein mutmaßlich von Linken geworfener Farbbeutel dessen Anzug verunstaltet hat?

Ein durchaus rationales Kalkül, wie Mölzer selbst bereits vor 20 Jahren dokumentierte. In einem von ihm entworfenen Positivszenario (sic) für die weitere Entwicklung der FPÖ hieß es damals u. a.: „Eine Gruppe freiheitlicher Mandatare … wird von Autonomen so brutal attackiert, daß eine freiheitliche Abgeordnete nach schwersten Verletzungen nur knapp dem Tode entgeht und lebenslang an den Rollstuhl gefesselt bleiben wird. Eine Welle der Abscheu gegenüber der linksmilitanten Szene, der Sympathie und des Mitleids mit den Freiheitlichen, geht daraufhin durch Österreich. Der 10. Oktober 1994, Wahltag, bringt für die Freiheitlichen einen beispiellosen Triumph.“ (Die Aula, Nr. 6/1993, S. 30)

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