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FPÖ 2017ff: ein Preview

Bernhard Weidinger

Die Kandidat*innenlisten für die anstehenden Nationalratswahlen liegen vor – was uns die Gelegenheit für eine kleine Simulation bietet, wie der Nationalratsklub der FPÖ in der kommenden Legislaturperiode zusammengesetzt sein könnte. Im Sinne der Einfachheit und der Vergleichbarkeit mit den Wahlen von 2013 gehen wir dabei davon aus, dass die FPÖ 2017 dieselbe Anzahl an Mandaten einfährt wie 2013 – und zwar genau dort, wo sie auch damals erfolgreich war. [1]

Bei diesen letzten Nationalratswahlen holten die Blauen 16 ihrer insgesamt 40 Parlamentssitze im ersten Ermittlungsverfahren (Regionalwahlkreise), die Mehrheit davon in nur zwei Bundesländern – in Oberösterreich (fünf) und der Steiermark (vier) –, wo man in jedem einzelnen Wahlkreis die nötige Stärke für ein Grundmandat erreichte. Drei solcher Mandate waren es in Niederösterreich und Wien, eines in Tirol.

Das zweite Ermittlungsverfahren (Landeswahlkreise) erbrachte je drei weitere Mandate in Niederösterreich und Wien, je zwei in Kärnten/Koroška, Salzburg und der Steiermark sowie je eines in den restlichen vier Bundesländern. Die übrigen acht Mandate holte die FPÖ über die Bundesliste.

Die Namen

Wenn wir diesen Ausgang für 2017 zugrunde legen, gleichzeitig einen Blick auf die heurigen Wahlvorschläge richten und überdies (mehr oder weniger freiwillige) Mandatsverzichte und erfolgreiche Vorzugsstimmenkampagnen ausschließen, würden folgende Personen für die FPÖ in den Nationalrat einziehen:

Über Regionalwahlkreise: Philipp Schrangl (Linz und Umgebung), Hermann Brückl (Innviertel), Wolfgang Klinger (Hausruckviertel), Gerhard Deimek (Traunviertel), Anneliese Kitzmüller (Mühlviertel), Axel Kassegger (Graz und Umgebung), Walter Rauch (Oststeiermark), Josef Riemer (Weststeiermark), Wolfgang Zanger (Obersteiermark), Peter Wurm (Innsbruck-Land), Christian Lausch (Weinviertel), Edith Mühlberghuber (Mostviertel), Christian Hafenecker (Niederösterreich Mitte), Heinz-Christian Strache (Wien Süd), Markus Tschank (Wien Süd-West) und David Lasar (Wien Nord).

Über Landeslisten [2]: Walter Rosenkranz, Herbert Kickl, Christian Höbart (alle Niederösterreich); Petra Steger, Johann Gudenus und Veronika Matiasek (Wien); Marlene Svazek und Andreas Schöppl (Salzburg); Hannes Amesbauer und Günther Kumpitsch (Steiermark); Erwin Angerer und Christian Ragger (Kärnten/Koroška); Roman Haider (Oberösterreich), Gerald Hauser (Tirol), Norbert Hofer (Burgenland/Gradišće) und Reinhard Bösch (Vorarlberg).

Unter Auslassung der über die ersten beiden Ermittlungsverfahren erfolgreichen KandidatInnen würden die acht Bundeslisten-Mandate an die folgenden Personen gehen: Harald Stefan, Dagmar Belakowitsch-Jenewein, Susanne Fürst, Robert Lugar, Maximilian Krauss, Carmen Schimanek, Harald Vilimsky und Wendelin Mölzer.

What’s new (and what’s not)

Verglichen mit jenem freiheitlichen Klub, der 2013 angelobt wurde, finden wir unter diesen 40 nicht weniger als 15 neue Namen, wobei sechs von diesen (Angerer, Brückl, Klinger, Kumpitsch, Lasar und Lugar) aufgrund von Nachrückungen in den letzten Jahren bereits jetzt im Nationalrat sitzen. Tatsächlich neu wären die jungen Burschenschafter Amesbauer (regelmäßiger Autor in der rechtsextremen “Aula”) und Krauss; der ehemalige Salzburger Landesparteiobmann (und deutschnationale Landsmannschafter) Schöppl sowie seine Nachfolgerin an der Spitze der Landespartei, Svazek; die aus dem AnwältInnenberuf in politische Funktionen wechselnden Fürst und Tschank; der ehemalige Kärntner Landesparteiobmann Ragger; und die aktuell in Wien engagierten Matiasek (2. Landtagspräsidentin) und Gudenus (Vize-Bürgermeister). Ob insbesondere letzterer, immerhin Statthalter seines Bundesbruders Strache (beide pB! Vandalia Wien) in der Bundeshauptstadt, tatsächlich in den Nationalrat zu wechseln plant, scheint ebenso fraglich, wie die Rückkehr von Martin Graf (Platz sechs der Wiener Landesliste und Platz zwei im Wahlkreis Wien Nord).

Der Frauenanteil würde gegenüber 2013 leicht steigen: von 18 auf 20 Prozent. Damit bliebe die FPÖ zwar deutlich unter dem Niveau der nationalen Parlamenten etwa des Irak oder Afghanistans, würde aber zu Marokko, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten aufschließen. [3] Ebenfalls steigen – anders als der Frauenanteil allerdings von bereits hohem Niveau aus – würde der Anteil von Mitgliedern völkischer Student(inn)enverbindungen am freiheitlichen Klub. Betrug dieser 2013 noch 17 von 40 (43%), würde er in unserer Simulation auf 19 von 40 (48%) klettern. [4] Zu bedenken bleibt dabei, dass eine freiheitliche Regierungsbeteiligung zum Wechsel einiger MandatarInnen in die Exekutive führen und das Profil des Klubs nicht unwesentlich verändern könnte. Die auch im österreichischen Parteienvergleich überdurchschnittliche Männerdominanz und die für die Strache-FPÖ charakteristische Vormachtstellung der völkischen Korporierten würden dadurch aber höchstenfalls leicht gedämpft werden.

[1] Wahlkreisverschiebungen (vgl. Niederösterreich Ost) werden dabei ignoriert. Eine Aufstellung über die Mandatsverteilung 2013 in den drei Ermittlungsverfahren (Region, Land, Bund) findet sich hier.

[2] Wie auch im realen Mandatsvergabeverfahren haben wir jene Personen auf den Landeslisten übersprungen, die sich ihr Mandat bereits über den Regionalwahlkreis sichern konnten.

[3] Vgl. Die aktuelle Aufstellung der Inter-Parliamentary Union zu Frauenanteilen in internationalen Parlamenten.

[4] Angesichts einiger bis dato ungeklärter Mitgliedschaften stellt diese Zahl einen Mindestwert dar – auch eine absolute klubinterne Mehrheit für die Korporierten ist denkbar.

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Korporierte FPÖ-PolitikerInnen

Stand: 31.01.2016 (wo nicht anders angegeben)

Im Fall mehrfacher Verbindungszugehörigkeit wurde nur die akademische Verbindung angeführt.

Abkürzungen: a = akademisch, c = conservativ, p = pennal (Mittelschulverbindung), B! = Burschenschaft, C! = Corps, DG = Damengilde, FV! = Ferialverbindung, GL! = Grenzlandsmannschaft, K.Ö.St.V. = Katholische Österreichische Studentenverbindung, L! = Landsmannschaft, M! = Mädelschaft, MKV = Mittelschüler-Kartell-Verband (katholisch), ÖCV = Österreichischer Cartellverband (katholisch), SV! = Schülerverbindung [Germania Ried: Semestralverbindung], US! = Universitätssängerschaft, V! = Verbindung

Bundesparteivorstand (22-23 von 37) (aktualisiert 12.01.2017; davor: 19-20 von 35)

Markus Abwerzger (US! Skalden Innsbruck)

Reinhard Bösch (aB! Teutonia Wien)

Gernot Darmann (Sponheim Wolfsberg/MKV)

Peter Fichtenbauer (FV! Waldmark Gmünd)

Johann Gudenus (pB! Vandalia Wien)

Manfred Haimbuchner (aC! Alemannia Wien zu Linz)

Johann Herzog (aB! Aldania Wien)

Norbert Hofer (pB! Marko-Germania Pinkafeld)

Christian Höbart (pcB! Tauriska Baden)

Anneliese Kitzmüller (aM! Iduna Linz)

Helmut Kowarik (aB! Aldania Wien)

Udo Landbauer (pB! Germania Wr. Neustadt)

Christian Leyroutz (aB! Suevia Innsbruck)

Géza Molnár (aC! Hansea Wien)

Dominik Nepp (aB! Aldania Wien)

Werner Neubauer (SV! Gothia Meran, pB! Markomannia Eisenstadt)

Elmar Podgorschek (aL! Cimbria Wien [Conkneipant?], cSV! Germania Ried)

Walter Rosenkranz (aB! Libertas Wien)

Bernhard Rösch (aB! Gothia Wien)

Carmen Schimanek (pM! Sigrid Wien [unbestätigt])

Eduard Schock (aB! Aldania Wien)

Harald Stefan (aB! Olympia Wien)

Heinz-Christian Strache (pB! Vandalia Wien)

Nationalrat (17-18 von 38) (aktualisiert am 6. 5. 2016)

Reinhard Bösch (aB! Teutonia Wien)

Hermann Brückl (pB! Scardonia Schärding und pB! Markomannia Eisenstadt)

Christian Hafenecker (aB! Nibelungia Wien)

Roman Haider (pB! Donauhort Aschach)

Christian Höbart (pcB! Tauriska Baden)

Norbert Hofer (pB! Marko-Germania Pinkafeld)

Andreas Karlsböck (aB! Aldania Wien)

Axel Kassegger (aB! Germania Graz, aB! Thessalia Prag in Bayreuth)

Anneliese Kitzmüller (aM! Iduna Wien, pM! Sigrid Wien [„Hohe Damenobfrau“])

Wendelin Mölzer (aC! Vandalia Graz)

Werner Neubauer (SV! Gothia Meran, pB! Markomannia Eisenstadt)

Barbara Rosenkranz (DG! Edda Wien)

Walter Rosenkranz (aB! Libertas Wien)

Carmen Schimanek (pM! Sigrid Wien [unbestätigt])

Philipp Schrangl (aB! Oberösterreicher Germanen Wien)

Harald Stefan (aB! Olympia Wien)

Heinz-Christian Strache (pB! Vandalia Wien)

Wolfgang Zanger (aC! Vandalia Graz)

Bundesrat (3 von 13)

Hans-Jörg Jenewein (pB! Nibelungia Wien)

Michael Raml (aB! Arminia Czernowitz zu Linz)

Bernhard Rösch (aB! Gothia Wien)

Europaparlament (2 von 4)

Georg Mayer (aC! Vandalia Graz)

Franz Obermayr (aC! Alemania Wien zu Linz und aC! Frankonia Brünn zu Salzburg)

Landesparteivorstand Wien (8-9 von 16)

Martin Graf (aB! Olympia Wien)

Johann Gudenus (pB! Vandalia Wien)

Johann Herzog (aB! Aldania Wien)

Dietbert Kowarik (aB! Olympia Wien)

Veronika Matiasek ([aM! Freya Wien [unbestätigt])

Dominik Nepp (aB! Aldania Wien)

Eduard Schock (aB! Aldania Wien)

Harald Stefan (aB! Olympia Wien)

Heinz-Christian Strache (pB! Vandalia Wien)

Landesparteiobmänner (6 von 9) (aktualisiert am 17. 6. 2016)

Markus Abwerzger (Tirol, US! Skalden Innsbruck)

Reinhard Bösch (Vorarlberg, aB! Teutonia Wien)

Gernot Darmann (Kärnten, K.Ö.St.V. Sponheim Wolfsberg im MKV [katholisch])

Manfred Haimbuchner (OÖ, aC! Alemannia Wien zu Linz)

Walter Rosenkranz (NÖ, aB! Libertas Wien)

Heinz-Christian Strache (Wien, pB! Vandalia Wien)

Landtage

Burgenland (1 von 6)

Geza Molnar (aC! Hansea Wien)

Kärnten (1 von 6)

Christian Leyroutz (aB! Suevia Innsbruck)

Oberösterreich (1 von 18)

Adalbert Cramer (aC! Hellas Wien)

Niederösterreich (1 von 4)

Udo Landbauer (pB! Germania Wr. Neustadt)

Salzburg (0 von 1)

Steiermark (2 von 14)

Hannes Amesbauer (aB! Oberösterreicher Germanen Wien)

Gerald Deutschmann (aB! Marcho-Teutonia Graz)

Tirol (1 von 4)

Markus Abwerzger (US! Skalden Innsbruck)

Vorarlberg (1 von 9)

Hubert Kinz (pV! Nibelungen Bregenz)

Wien (12-14 von 34)

Wolfgang Aigner (K.Ö.St.V. Austria Wien [ÖCV])

Stefan Berger (aB! Aldania Wien [unbestätigt])

Armin Blind (aB! Aldania Wen)

Gerald Ebinger (aB! Aldania Wien)

Udo Guggenbichler (aB! Albia Wien)

Wolfgang Jung (aT! Wiking Wr. Neustadt)

Dietbert Kowarik (aB! Olympia Wien)

Maximilian Krauss (aB! Aldania Wien)

Veronika Matiasek (2. Landtagspräsidentin, [aM! Freya Wien [unbestätigt])

Dominik Nepp (aB! Aldania Wien)

Alexander Pawkowicz (aB! Aldania Wien)

Rudolf Stark (aB! Aldania Wien)

Michael Stumpf (pB! Vandalia Wien)

Alfred Wansch (aB! Olympia Wien)

sowie

Vize-Bürgermeister Johann Gudenus (pB! Vandalia Wien, aB! Aldania Wien)

Stadtrat Eduard Schock (aB! Aldania Wien)

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Mölzers Opfergang

Dass – so die Darstellung des Wiener Polizeipräsidenten Pürstl – freiheitliche Funktionäre „kurz vor dem Ball [der Wiener FPÖ und völkischen Studentenverbindungen am 1. 2. 2013, Anm.] in ein Lokal außerhalb der Sperrzone essen gehen, obwohl sie wissen, dass Tausende unterwegs sind, die mit dem Ball nicht einverstanden sind“ und „nicht, wie [mit der Polizei, Anm.] ausgemacht, mit dem Taxi oder der U-Bahn auf den freigehaltenen Routen zur Hofburg fahren, sondern mitten durch die Demonstranten spazieren“, lässt sich möglicher Weise über den (in Studentenverbindungen geformten) Männlichkeitsentwurf der Betreffenden erschöpfend erklären. Eher die eigene physische Integrität aufs Spiel zu setzen als Ausweichmanöver zu vollziehen, ist immerhin zentraler Inhalt der Mensur als Erziehungsinstrument.

Was aber treibt andere freiheitliche Funktionäre  (Hans-Jörg Jenewein, Harald Vilimsky) an, einen jener Parteifreunde und Waffenbrüder (Andreas Mölzer) per atemloser Presseaussendung für „schwer“ verletzt zu erklären, nachdem ein mutmaßlich von Linken geworfener Farbbeutel dessen Anzug verunstaltet hat?

Ein durchaus rationales Kalkül, wie Mölzer selbst bereits vor 20 Jahren dokumentierte. In einem von ihm entworfenen Positivszenario (sic) für die weitere Entwicklung der FPÖ hieß es damals u. a.: „Eine Gruppe freiheitlicher Mandatare … wird von Autonomen so brutal attackiert, daß eine freiheitliche Abgeordnete nach schwersten Verletzungen nur knapp dem Tode entgeht und lebenslang an den Rollstuhl gefesselt bleiben wird. Eine Welle der Abscheu gegenüber der linksmilitanten Szene, der Sympathie und des Mitleids mit den Freiheitlichen, geht daraufhin durch Österreich. Der 10. Oktober 1994, Wahltag, bringt für die Freiheitlichen einen beispiellosen Triumph.“ (Die Aula, Nr. 6/1993, S. 30)

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